"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 84
16. März 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"
Meine Mutti ist nur wenig zu Wort gekommen.
Das war eine Flut aus Helens Mund, ein richtiger Wasserfall, meinte Mutti.
Umpf - eine Beschneidung? Ich sollte mich für Helen beschneiden lassen? Eine Beschneidungszeremonie, wie sie sie üblicherweise bei den kleinsten Jungs schon durchführen?
Blutige Sache, das, wußte meine Mutti. Mit großen Schmerzen für den verbunden, der sich das gefallen lassen mußte. Ohne Betäubung war das für ihn zu ertragen.
Filme hatte Mutti schon darüber gesehen, ich auch.
Auch mit meinem Essensverhalten und das meiner Umgebung hat Helen sich in dem Gespräch mit meiner Mutti länger auseinandergesetzt.
Daran sollte ich und meine gesamte ungläubige Familie dringend etwas ändern.
Kein Schweinefleisch mehr. Schweine, das wären unreine Tiere.
Außerdem: Es dürfte nur mehr Geschächtetes auf den Tisch.
Hm, schächten ...?
Das Wort 'schächten' war Mutti ebenfalls geläufig. Mutti wußte, welche Bedeutung es hatte.
Kann mich bestens erinnern, Tagebuch, daß Helen bei einem unserer letzten Zusammentreffen nachdrücklich darüber gesprochen hat, was für mich bei ihr, Helen, Sache wäre.
Erstens: mich beschneiden lassen. Zweitens: kein Schweinefleisch und keinen Alkohol mehr. Und das Allerwichtigste: das Gebet.
Sex, den gäbe es mit ihr, Helen, erst wieder in der Ehe.
Ah, Tagebuch, dieser Tonfall Helens meiner Mutti gegenüber.
Weit von oben herab hat Helen meiner Mutti hingeflözt.
Daß sie, meine Mutti, genau wissen müßte, was für ein Bubilein ich, ihr Sohnemann, wirklich wäre: eine Memme, ein Muttersöhnchen. Saft- und kraftlos. Ganz hinten in der Reihe.
Den richtigen Gott würd' ich nicht kennen wollen. Den, den ich kennen müßt', wie meine Familie ihn kennen sollte. Ihn kennenlernen. Um ihn anzunehmen und zu ihm zu beten. Endlich nach seinen Geboten zu leben.
Solange ich mich nicht ändere, gäb's so einfach nichts mehr für mich bei ihr, Helen. Nicht das kleinste Stückchen.
Nach diesen Worten hat Helen meiner Mutti eiskalten Herzens die telefonische Verbindung getrennt.
Nicht noch mal, daß meine Mutti daraufhin bei Helen anrufen wollte.
In meinem Zimmer ist Mutti herumgestanden, hat die Hände gerungen, mich angestarrt.
84
Newsletter
Gib Deine E-Mail-Adresse ein, um bei zukünftigen Artikeln benachrichtigt zu werden.
Seiten
Kategorien
- 768 "Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"
- 374 mehr meilen
- 370 Kurzware
- 368 "Drei Erwachen"
- 360 hug it
- 352 allerlei
- 325 Kurzware II
- 315 kleine Szenen
- 310 Kleinteile
- 304 rundgehen
- 223 "Die Augenzeugin"
- 167 nach dem Tritt
- 152 dreimal erwachen
- 93 T-Rixi
- 57 K.K.
- 39 miles
- 22 Jäger des nächsten Textes
- 16 Kurzgeschichte