In den Ferien
24. August 2016 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #allerlei
Urlaubszeit ist, Reisezeit.
Trotz der Gefahr, für einen Prediger-Bewegung-Anhänger gehalten zu werden, was praktisch jedem passieren kann, der mal schief guckt, sind türkischstämmige Deutsche in Richtung Türkei abgefahren.
Fühlen sich in der Türkei wie immer wohl. Man fühlt sich doch wohl?
Ständig gellt das Lied des einen, klingt wo die Nationalhymne, plärrt aus irgendeinem Eck der Ruf der Muezzins. Das nächste Gebet ist fällig. Wieder rein in die Moschee.
Partei-Kader fahren in Autos rum, singen lautstark religiöse Lieder, SEIN eines Lied, Glaubensrufe ununterbrochen, die nationale Hymne. Dauernd die Aufforderung, mitzumachen. Zumindest sich schnell von den Tischen in Restaurants, Cafés zu erheben. Als müßte man das, gehorsam sein, wenn irgendwer so was mal von einem will.
Da kann man doch auch aufs Land fahren. Vielleicht gibt's da mehr Ruhe. Hört man da weniger die Sirenen von Einsatzfahrzeugen. Schießt da wo wer?
Aber - es ist doch schön, die altvordere Heimat. Heimatgefilde.
Man wählt ja auch ständig nur immer IHN. Als gäb's in der euopäischen Region nirgends einen irgendwie gearteten anderen Horizont. Vielleicht mal ganz einfach nur andere Fernsehprogramme. Wo alles eventuell anders klingt als von da, auf dem Kanal, der läuft. Daß man sich unter Umständen auch ein etwas anderes Bild machen könnte.
Hilft aber nichts. Das muß man bestimmt später machen, wenn man's denn macht, man ist doch jetzt angekommen. Dort, wo ER daheim ist. Wo ER daheim ist, da könnt man aber doch auch bleiben. Ehemals das Heimatland.
Warum immer nur Urlaub machen? Da, wo man elf Monate nicht war, ein Heimatgefühl entwickeln.
Nein, dort bleiben, wo jeder die rote Halbmondfahne schwingt. In Aufmärschen IHN feiert. Für IHN schreit, bellt, kreischt. Bei IHM und in SEINEM Land daheim. Beim Gewählten. Dem von den in die Ferien Gefahrenen im Ausland mit Gewählten.
Statt nach verhältnismäßig kurzer Zeit eigentlich schon wieder ab- und auszureisen. Haltlos. Auf Dauer dazubleiben. Um IHM nahe zu sein.
"Dort, wo wir auf Urlaub sind, gibt's doch die Radio- und Fernsehsender im Original, hörst du? Keiner belästigt einen, weil man auch noch eine andere Sprache können muß."
Muß man auch nicht. Man ist da daheim. Daheim ist daheim. Oder ist man da nicht daheim? Dort könnte man aber jetzt wirklich bleiben.
Überhaupt: Muß man denn zurück, wenn man IHM ganz nahe ist?
Auch wenn da ein paar lieber dort wohnen würden, wo man selber wohnt, in der Mitte Europas. Aber, glaubt man das? Faßt man das, daß die nicht wissen, wie gut sie's haben. Daß ER da ist. Daß ER sich um sie kümmert. Daß ER weiß, was gut und was schlecht für sie ist. Weiß, wo all ihre Kinder demnächst in die Schule gehen sollen. Nichts mehr Westliches. Strenge Religion und viel Gebet tagein und -aus. Von früh bis spät.
Was sagen sie, was ist da zu hören? Da könnt man ja gleich über die Grenze zur Terrormiliz nach Syrien rüberwandern. Ganz das gleiche, hier wie dort. Viel Unterschied ist da nicht.
Glaubt man das? Wo sie es so schön haben, in der Heimat zu wohnen. Weil ER ganz nah ist. Ihr Fernsehgerät ist an. Sehen SIE IHN denn nicht? Das trauen sie sich, so zu sprechen, in SEINER Gegenwart? Seine Augen, sein Gesichtsausdruck - ER weiß doch Bescheid über uns, sieht uns doch!
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