September '16 nach dem Milllenium: Zwei Damen, eine politisch links orientiert, die andere von der rechten Last.
Ganz nahe saßen sie im Fernsehstudio für das Diskussionsforum beisammen, sahen beide wie vom selben Typen-Berater aus: ähnliche Röcke, Oberteile, weibliche Frisuren, die Wahl: eher das kürzere Haar. Dunklere Haarfarbe, brünett, schwarz. Nur die Farbzusammenstellung der Gewandung war ein klein wenig verschieden.
Ohne weiteres hätte man als ahnungsloser Zuschauer die beiden für echte Schwestern mit vergleichbarem Kleidergeschmack halten können. Der schwer Rechtslastigen ging es dabei sicherlich direkter um das östliche Fernsehpublikum, das Drängeln beim Wahlvolk im Osten, das noch immer gut genug die nebendran am Wählen war.
Zweimal Frauenwelt, die Ausrichtung, was die Politik angeht, für den entfernteren Betrachter so was von verschieden. Nur, im Grunde genommen...
Die aus der Damengegend, die in ihren Parteien weiter oben plaziert sind, mögen sich vielleicht nicht ferner sein, als sie dort so nahe beieinander rumhockten. Bloß auf dem ersten, flüchtigen Blick weit entfernt, zu verschieden, geradezu feindselig. Die eine eine Linksaußen, die zweite Rechtsaußenposition.
Linksaußen - Rechtsaußen. Das sollte sich beißen, oder?
Sieht man hier nichts als eine gerade Linie mit zwei gegenüberliegenden Seiten mag das mit der Entfernung sicher stimmen: weiter weg voneinander, das geht nicht. Ferner kann sich niemand sein.
Verbindet man allerdings die Enden des geraden Strichs, verknüpft alles wie bei einem Seil, bildet sich plötzlich eine Kreisform.
Der Wahnsinn, was sich daraus ergibt: nichts als Nähe, Nachbarschaft, Gegenwart. Gestrichelte, schraffierte Flächen allerorten. Ungezählte Begegnungspunkte.
Welche Ähnlichkeiten, Übereinstimmungen! Fast wie beim Aussehen und dem Habitus des sich wichtig gebärdenden Damenduos. Obwohl alles ehedem so unterschiedlich daherkam, anders und distanziert schien.
So wird aus links dann ganz locker ratzfatz rechts und umgekehrt.
Ist es dann also ein Wunder? Ist es eine größere Überraschung? Wie einfach Dinge vonstatten gehen können, alles vom einen zum anderen rüberkommen mag. Daß einer, der früher links wählte, plötzlich rechts wählt. Oder umgekehrt, wenn er das braucht. Beide Extreme.
Schon in der Weimarer Republik wurde das diskutiert. Staunte man darüber: die ganz Rechten mit den ganz Linken. Diese große Feindschaft. Die Köpfe, die man sich einschlug. Und dann kommt einer schwuppdiwupp zum anderen rüber, als wäre das nichts. Nur ein kleiner Uniformwechsel, schon konnte der eine beim anderen auftreten, mitgehen. Erst den Linken ein Ständchen singen, dann den Rechten.
Viel Veränderung in der Partitur war ja im Grunde nicht nötig.
Wie sich in der DDR die Braunen pudelwohl gefühlt haben mußten. Nachdem sie sich erst orientiert hatten.
Das heißt, war einer in der Nazizeit kein allzu großer Name, mußte sich gewiß niemand großartiger um einen kümmern. War nichts verlangt, daß das Auge auf einen gerichtet war, hatte jeder seine Ruhe, wurde nichts größer gegen einen unternommen.
Sprach wer das an, sagten die im Osten denen im Westen, so schlimm würde es denen bei ihnen westwärts auch nicht ergehen. Unter-, Mittelklasse-Granden mit ehemals unscheinbareren Rollen waren auch im Westen groß, blieben im Staat, in der Wirtschaft. Sorgten für Probleme bei der Aufarbeitung der Nazi-Vergangenheit, wollten relativieren.
------