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Blog von TeddeMehr

Aussehen wie der "Tramp"

21. Oktober 2020 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #mehr meilen

Da war mal eine Männermode, eine Bartträgerweise, bei der viele mitmachten. Massenweise welche, an denen zu erkennen war, daß sie keinen einfachen Schnurrbart mehr vorzeigten.

Was da Charlie Chaplin und seiner Filmfigur zu verdanken war: dem Tramp. Die Nachkriegsjahre und die zwanziger Jahre, einem Lebensgefühl, daß der Tramp im letzten Jahrhundert aushalf.

Eins, das sich daraus ergab, daß der Tramp Charlie Chaplins ein haltloser Mensch war, der ab und an nicht mehr besaß, als das, das er am Leib trug.

Nebenher noch bei einem viel zu kurzen Spazierstöckchen, mit dem sich der Tramp aber auch mal Angreifern erwehren konnte. Griff ihn da wer unvermittelt und an sich grundlos an.

Der eine Charakter, den es da zu fürchten galt, von dem weiß man bis heute was. Wenn etwa in den Nachrichten Kleinigkeiten mitgeteilt werden, daß Späßetreiber auf der Suche nach einem Opfer waren. Solche, in der Lage, einen auf einer Sitzbank irgendwo Schlafenden irgendwas anzutun. Womöglich auch anzuzünden. Alles eben einfach mal nur so, zum Spaß mit einem Dinge zu treiben, auch hinterrücks und ganz spontan. Womöglich, weil da eine Nasenspitze nicht gefiel. Oder die Armut an einem erkannt wurde. Was immer der Grund ist, daß da Gestalten sich einbilden können, einen mal rumschubsen zu dürfen.

Überdies teilten die Filme Charlie Chaplins mit, daß da der Tramp einer wäre, der, trotz seiner ständigen Not, Fadenscheinigkeit, alles mögliche, das ihn kaum je mal wirklich verlassen wollte, doch noch einigermaßen sauber zu bleiben gedachte. Mit der durchgreifenden Gewalttätigkeit, daß er nicht so umgehen konnte. Dieses Geschick, zu dem brachte er es nicht so.

Er pflegte, rasierte sich, der Tramp. Und seinem Anzug sah man auf dem ersten Blick nicht unbedingt immer an, wie abgetragen der war. Und der Tramp Charlie Chaplins, nicht bei allem machte er an sich mit. Ließ sich nicht so auf die ganz schweren Verbrechen ein. Bankraub, Mord war ihm nicht so die Angelegenheit. Restlos bei seinen Versuchen damit zu überzeugen, das wußte der Tramp nicht. Irgendwann klappte ihm mittendrinnen nichts in der Weise. Es fiel ihm schwer, nach dorthin rüberzuwechseln, wo aus einem ein Schwerverbrecher werden konnte. Im gleichen Maße war das: Der Tramp behielt sich seine Manieren. Er pflückte für die Damenwelt dies und das Blümlein. Keinen teuren Blumenstrauß, den er einer schenken konnte, und beim Hofmachen geriet er irgendwann in ärgste Bedrängnisse. So beim Vater einer Braut. Ohne deswegen nur noch gewalttätig nach einer oder der nächsten rüberzufassen und sich schnell zu entfernen.

So ungefähr sah die Charakteristik des Tramps aus. Bis es ihm von dem her wo reichte. Oder das Tolerante seiner Umgebung seine Grenze erreichte, und er am Filmende weiterzog, mehr oder weniger dazu gezwungen. Eine Welt, die er dabei hinter sich zurückließ.

Vielleicht auch, weil dort plötzlich etwas von ihm verlangt wurde, er sich Begebenheiten, Verhältnissen unterordnen, sich was ansagen lassen hätte müssen. Da haute er irgendwann lieber ab, und die Zurückgebliebenen konnten sich jemand anderen suchen. Auch als Ehemann.

Das war es also so ungefähr, was den Film-Tramp ausmachte. Was Charlie Chaplin während Tagen, während denen der Schmalhans öfter als oft Küchenmeister war, die großen Filmerfolge einbrachte. Der Tramp war eine Identifikationsfigur.

Und auch der eine, der lieber zu den Rechtsdrehern rüberging. Die, daß er für vielversprechend hielt. Außerdem war er ein Dauerleser noch der boshaftesten rechtslastigen Schmonzetten, des schmierigeten Heftchens aus der Landschaft dort. Wo er also seinen Platz verortete. Bei jenen suchte er, sich als bloßer einfacher Gefreiter beliebt zu machen.

Nicht ohne Erfolg. Sein Vater, der hatte ein Eisenbahnwärterhäuschen. Am Anfang, jede Menge die Nase gerümpft wurde bei ihm, in diesen Kreisen. In denen es auch die von Adel, Rittmeister und alle mögliche Kaiserreichheeresränge bis ganz nach oben gab. Und tatsächllich selbst noch studierte Lehrerschaft, biederstes Bürgertum, das noch dem Kaiserreich verhaftet war. Ebenso die, die mit einem Doktortitel, einer Professur. Die fanden sich dort zusammen. Wo jene grundsätzlich Unzufriedeneren daheim waren, die Verlierer des großen Krieges. Diejenigen, nicht mehr so gefragt. Bei anderen ausgeschlossen, an sich nicht gern gesehen.

Zu denen begab der eine sich dazu, nahm sich dem an, was dort untereinander dahergeredet und getextet wurde. Irgendwann erwählte er zwischendurch für sich DAS eine Antlitz, das an das des Tramps Charlie Chaplins erinnerte. Und das an ihm ein Trug war. Zwar war er einer ohne Halt, verließ einen Kurs, ein Umfeld nichtdestotrotz im Großen und Ganzen nicht wieder. Dabei, daß er blieb, bei der Stange. Vor etwas zurückzuschrecken, wie es etwa die Art des Tramps war, das fiel ihm bei allem nicht unbedingt ein. Währenddessen er sich in einen echten Wortführer bei DENEN verwandelte. Dafür, daß man IHN überdies sogar förderte. Weil Talente in IHM entdeckt wurden.

Viele weltweit brachte die Filmszene mit dem Tramp dazu, sich die Oberlippenbärte an den Seiten zu stutzen.

Dieses eine Aussehen, mit dem Leute andeuteten, ihr Schicksal hätte irgendwie auch Ähnlichkeit mit den Begebenheiten, wie sie sich in den Charlie Chaplin-Filmen abspielten, Charlie Chaplin, der anfing, den Tramp manchmal sogar deutlich sichtbar mit einem aufgeklebtem Bärtchen zu mimen.

Jener Tramp, ein an sich haltloser Mensch. Einer, den es kaum je allzu lange wo an einem Örtchen hielt. Irgendwann war bei ihm die Situation, da mußte er denn weiterziehen. Und der Tramp, der zog weiter. Mit seinem zu kurzen Stöckchen, in seinem verknitterten Anzug und dann und wann mit einem kleinen Köfferchen in der Hand. Das ihm das nächstemal schon wieder fehlen konnte. Irgendwo blieb. Wie jemand da die eine auch gut vergessen konnte, mit der der Tramp im Film zuvor ...

Na ja, der eine, der auch was von Charlie Chaplins Tramp andeutete, der ließ sich späterhin in den zwanziger Jahren in der Limousine wo vorfahren. Kein zu kurzes Gehstöckchen hatte er bei sich, sondern eine Reitgerte. Mit der jähzornig draufloszuschlagen war. Und einen Revolver, den besaß er auch. Hatte ihn sich besorgt. Für alle Fälle.

 

 

 

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