Noch viel weniger was in Ordnung
Es wird ab und an von mutigen Leuten gesprochen, Kämpfern, die den Tod nicht fürchteten, keine Art von Dämonenwelt, wie sie manche Religion im Angebot hat. Und so das.
Bei den Nordamerikanern, bei den Alliierten waren sie noch zu Kriegszeiten, der zweite Weltkrieg, gefürchtet. Die SS-Leute. Unbarmherzige Figuren, wahre menschliche Monster, Kämpfer bis zum letzten Blutstropfen.
Zumindestens geht so manch eine Legende. Bis ins Heutige hinein ein Schmu, mit dem sich Entsprechende besprechen, als wäre da was gut für einen Kult.
Es läßt sich durchaus sagen, daß sich da einstmals Diverse in einer SS-Uniform, gerieten sie in die Enge, lieber umbringen ließen, statt sich zu ergeben und lange gefangennehmen lassen zu wollen.
Etwas, das man einem vor Ort die hiesigen Tage dann und wann bei dem Thema besonderer Heldenmut verkaufen möchte. Als die Hingabe an so einen Eid, in Treue fest und entschieden, komme, was wolle. Ein Gelübde, das man geleistet hatte, auf den einen Führer, Blut und Boden, das Deutsche Reich und Vaterland. Selbst blindesten Gehorsam zu entwickeln. Bei einem Korpsgeist, mit dem indoktriniert, man sich stets in bestem Einklang befand.
Andererseits scheint man manches doch noch gewußt und, von einer menschlichen Seite her, mitbekommen zu haben. Konnte durchaus weiterhin reflektieren, bei einer Gut-, Böse-Kategorie. Konnte ein Gewissen abbilden, in der Weise DAS, sich selbst wiederzuspiegeln. Etwa das, was man da als SS-Mann, so hinter der Front und bei seinen Sondereinsätzen bei Erschießungskommandos und dem Ausholen einer Bevölkerung getrieben, angestellt hatte. Das war man in der Lage, für sich in den Überblick zu bekommen, sich ins Bewußtsein zu rufen. Demnach, einiges konnte einem in das Denken, den Kopf geraten. Erst recht das, wie da die Szene wäre, wenn man als so jemand, der man war, sich einer Umwelt präsentiert hatte, nicht die Oberhand behielt.
Trotz aller geistiger Indoktrination und vielerlei soldatischer Gleichschaltung, bei der unbedingter Gehorsam verlangt wurde.
Nichtsdestotrotz demnach war eigenes Tun und Lassen des weiteren zu überblicken. Um sich dann, erkannte man sich nicht länger auf der Sonnen- und Siegerseite, hatte man gar den Tod vor Auge, auch für DEN zu entscheiden. Lieber das Sterben, statt sich von jemand gegenüber Befindlichem noch zu vieles Gutes zu erhoffen. Von denjenigen, die zuvor von einem an sich auch nichts Gutes zu erwarten hatten. Was nachweislich der Wirklichkeit entsprach, und von mancher Dorf- und Stadtbevölkerung, bei der man sich umgetrieben hatte, auch gewußt wurde. Ihr im Gedächtnis verblieb.
Deshalb - man hatte seine Karten vollends auf Sieg gesetzt. Im Blitzkrieg, als noch Sommer war, seine Schlechtwettermäntel und Handschuhe weggeworfen. Daß es dann ein Unglück war, daß was das Kriegsführen andauerte und es einen Wetterumschwung gab. Winter wurd's. Am Ende war man nicht siegreich, zu den Siegreichen zu rechnen. Die, die besiegten, das waren die allierten Mächte. Die sehr vieles wußten, auskundschaften hatten können. Und - was war der und der, sobald in Gewehrläufe geschaut wurde? Ein SS-Mann. Der ...
Was um so schlimmer wurde, je mehr einer bei der SS einen Aufstieg genommen hatte. Bei den Rängen und den Befehlslinien aufzudinden war. Wobei selbst die gewöhnlichere SS-Type genauer angesehen wurde. Auch IHN konnte man mit verbrecherischem Treiben, blutigen, grausamen Metzeleien in Verbindung bringen, ihn in Mithaftung nehmen. Daß weniger die eine traurige Geschichte interessierte, wie es bei einem dazu kam, daß aus einem ein Mitglied der SS wurde.
Was ich meine, ist das kein guter Grund, weshalb gut im Feuer zu bleiben war, mit der Waffe in der Hand weiterzukämpfen? Bis zur letzten Patrone? Wenn's nicht mehr viel für einen zu verlieren gab. Einem nicht so ohne weiteres was nützte, Fotobilder seiner Frau und den Kindern Augen zu präsentieren. Solche, aus Tagen, als noch die Friedenseit herrschte, man nicht bei einem Front- unnd Kampfgeschehen anzutreffen war.
Für gewöhnlich bin ich ja ein Feigling. Nur, wäre ich da bei was Falschem gelandet - ö, das muß ich echt zugeben -, ob ich nicht durchaus manchmal mit etwas weitermachen, fortsetzen könnte, habe ich so reingarnichts mehr zu verlieren? Das, nochmals nach Hause zurückzukommen, vielleicht als so ein Ehemann, zu seinen Kinderlein - für den von der SS gestaltete sich DAS schwieriger. Am Schluß erinnerte er sich an die Kommandos, bei denen er mit dabei war. Er war ein Teilnehmer hier und dort, diente in einer bekannten Einheit, die einen gewissen Ruf hatte.
Und - er war plötzlich jemand, ein Kriegsverlierer. Wer kannte IHN nicht ALLES? Das Treiben seiner Kommandogruppe konnte herausgefunden werden. Wie man eine Dorfbevölkerung mit vorgehaltener Waffe zusammentrieb - und dann, es fielen die ersten Schüsse. Es war Munition, die man verschwendete. Nicht im Kampf. An anrückende Uniformträger, die Russisch sprachen, Englisch. Da sich DIESEN gegenübergestellt zu haben - das war ES nicht. Und man war gesehen worden. Ständig kam doch noch irgendwer mit dem Leben davon. Selbst aus den Konzentrationlagern gelang einzelnen die Flucht. Außerdem, wie erwähnt, man gehörte zu dem und dem Sonderkommando dazu, war namentlich wo aufgelistet. Sogar Fotos gab es von einem. Mit denen gezielt gefahndet werden konnte. Das hatte einer der SS geradezu mit zu bedenken. Damit besprach man sich untereinander.
Eine echte Engstelle, nicht wahr? Bei der Gnadenlosigkeit, die der SS-Uniformierte an den Tag gelegt hatte.
ER hatte keine Gnade gewährt. Folglich - wer sollte IHM Gnade gewähren?
Und, wem das keine Umstände sind, für ein wenig mehr Kampfeswillen, Mutigsein bei einem zu sorgen? Doch nicht aus einer Deckung herauszukommen, mit hochgereckten Armen. Vielmehr ...
Na, relativiert DAS nicht ein bißchen was? Bei einem Spruch von Durchhaltevermögen, Treue - und das mit dem Sterben nicht zu fürchten? Keine Religionsdämonologie, nicht?
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