"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 162
12. April 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"
Beppi: 'Ja ...?'
Der Trenchcoat-Penner, dem auf einmal irgendeine undefinierbare dunkelbraune Soße die Mundwinkel heraus- und runterlief: 'Aber ja, Beppi! Ich mein's nur gut mit dir. Ich soll dir ausrichten, Beppi - wenn ich dich mal irgendwo seh' -, daß du wieder vorbeikommen sollst. Bist herzlich dazu eingeladen. Wenn du das machst, dann hast du vielleicht bald auch wieder ein paar Schulden weniger. Ist dir doch ein Begriff, Beppi, oder?'
Beppi, der wieder erholter wirkte: 'Klar ist mir das klar, Fransen.'
Der Trenchcoat-Penner, den Beppi Fransen nannte: 'Dann ist gut. Was ist denn das da für einer, Beppi ...?'
Beppi: 'Schau ihn dir doch an, Fransen ...'
Fransen, der so ein fahles, hohlwangiges, wächsernes Antlitz hatte, wie das eines Sterbenskranken, nahm seine umstäubte Sonnenbrille ab, gaffte mich mit schwarzen Kohleaugen mit einem hungrigen Fieberblick an.
Beppi: 'Mit Namen heißt der Bernd, Fransen. Weißt du, Fransen - das ist das Beste -, weißt du, was der heute hat? Was der heute hat, Fransen?'
Fransen guckte mich nur an, dieser Blick, daß ich mich weit fort an einen anderen Ort wünschte.
Beppi: 'Weißt du, was der heute hat, Fransen? Manu hat der heute auf der Straße getroffen! Manu, stell dir vor. Vorm Unteren trifft der Manu. Die Manu, Fransen. Die Manu vom Hansi. Die Manu vom Hansi. Vom Georg.'
Fransen: 'Hans heißt er für dich, Beppi. Ich an deiner Stelle würd' nicht Hansi sagen. Auch nicht Georg.'
Beppi: 'Mann, Fransen, der dort, der hat Manu heute getroffen. Check das doch. Das mußt du nur mal checken, Fransen. Wenn das nicht lustig ist, weiß ich's nicht mehr. Er trifft Manu, Fransen! Manu Dombrowksi! Warst doch selber an dem Tag drinnen im Haus beim Hans, Fransen. Hast alles mitgekriegt, was war. Was bei Hans am Gelände abgegangen ist ... Schau dir den an, Fransen, heute hat der Manu getroffen ...'
Die Fieberaugen Fransens hatten sich eklig an mir festgesaugt. Dazu Fransens oberschmieriges Dauergrinsen. In mir war das dringende Bedürfnis, aufzuspringen, mich zu verabschieden. Mit dem Auto wäre ich schnell weit weg gewesen.
*
Zweiundzwanzigster Juli, meine Tagebuch-Datei offen.
Montag, Mittagszeit. Uhrzeit: 12:33 Uhr.
Das Wetter heute: herrlichster Sonnenschein. Wolkenlos blauer Himmel.
Ein schöner Tag wäre das, für alles.
162
Newsletter
Gib Deine E-Mail-Adresse ein, um bei zukünftigen Artikeln benachrichtigt zu werden.
Seiten
Kategorien
- 768 "Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"
- 374 mehr meilen
- 370 Kurzware
- 368 "Drei Erwachen"
- 360 hug it
- 352 allerlei
- 325 Kurzware II
- 315 kleine Szenen
- 310 Kleinteile
- 304 rundgehen
- 223 "Die Augenzeugin"
- 167 nach dem Tritt
- 152 dreimal erwachen
- 93 T-Rixi
- 57 K.K.
- 39 miles
- 22 Jäger des nächsten Textes
- 16 Kurzgeschichte