"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 165
13. April 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"
Zweiundzwanzigster Juli, meine Tagebuch-Datei offen.
Montag. Früher Nachmittag. 14:08 Uhr.
Bin wirklich fertig. Aufgebracht, wütend.
Also, Mutti war mir raufgekommen auf mein Zimmer. Fragt mich Mutti, warum ich nicht runterkomme, zum Mittagessen. Antworte ich, weil ich keinen Hunger habe. Weil mir der Appetit gründlich vergangen ist.
Mutti spricht was zu mir, daß sie, meine Mutti, mich gut verstehen könnte. Die Trennung von Helen, die würde mir zusetzen. Auf der Seele läge mir das ziemlich. Eine Last kann die Liebe für den Liebenden sein. Gegen die Trauer, wenn die, die man geliebt hat, einen verlassen hat, aus welchen Gründen auch immer, wäre nur schwer anzukommen. Jeden Tag, wenn sie, Mutti, mich zur Zeit sehe, könnte sie das bei mir wahrnehmen. Liebe, das hätte wirklich auch nichts mit Religion zu tun. Wenn einer einen anderen liebt, ginge man mit demjenigen durch Dick und Dünn, überallhin.
Was? Groß schaue ich Mutti an.
Das labert Mutti weiter zu mir, daß die neue Handy-Nummer Helens am Telefon abgespeichert wäre. Sie, Mutti, sie könnte mir auch den Zettel raufbringen, auf dem sie die Nummer Helens aufgeschrieben hätte.
Jederzeit könnte ich doch Helen anrufen. Müßte mir nichts denken. Müßte mir nur einen Ruck geben.
Kam Zeit, kam Rat - vielleicht, daß Helen an meiner Seite irgendwann ja wieder toleranter sein würde. Weniger besessen. Jede Religion hätte ihre Vor- und Nachteile. Helen wäre eine kluge Frau, eine Studentin, die könnte so was eines Tages erkennen.
Glaubt man das? Glaubt einer das, was Mutti zu mir geredet hat?
Dachte, ich bin im falschen Film.
Erwidere ich, daß das, Helen anzurufen, die letzten Tage nie ein Gedanke von mir war. Kein einziger meiner Einfälle betraf Helen. Das zwischen Helen und mir, das wäre aus und vorbei. Finito. Helen, das wäre wirklich das Allerletzte. Ich dächte überhaupt nicht da dran, Helens Nummer zu wählen. Nicht für eine kurze Zahl.
In aller Deutlichkeit, daß ich das Mutti verklickert hab'. Das mit Helen - daß Helen und ich uns endgültig getrennt haben -, das wäre nicht das Problem. Mein Problem, das wäre ganz ein andres.
Daraufhin bricht es mir aus, erzähle ich Mutti die Geschichte mit Manuela. Bringe Mutti das mit Manuela Dombrowski auf den Punkt. Den ganzen wahnsinnigen Kern der Sache mit Manuela Dombrowski teile ich Mutti mit.
Armer Bernd, so guckte mich Mutti anschließend an, als ihr das klargeworden war, was ich zu ihr gemeint hatte. Armer Bernd, der Ausdruck von Muttis Blick.
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