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Blog von TeddeMehr

"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 172

16. April 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"

Zwar gelogen, weil ich das Grab Manuela Dombrowskis noch gar nicht gesucht hatte; aber egal. Der vielleicht knapp Zwanzigjährige, der wußte es jedenfalls aus dem Stand, wo sich Manuela Dombrowkis Grab befand. Weil er bei der Totenmesse für Manuela Dombrowski als Ministrant anwesend war.

Echt wahr.

 

Die Wegbeschreibung war so genau für mich, daß ich Manuela Dombrowskis letzte Ruhestätte ruckzuck gefunden hatte.

Vor mir, Manuela Dombrowskis Grab. Ein senkrecht aufgeschütteter, schwarzer Erdhaufen mit Blümchenbepflanzung am Kopfende. Dahinter ein schlichtes Metallkreuz mit einer weißgestrichenen Holzlatte von Handflächenbreite unterhalb des waagrechten Kreuzteils am Kreuzfuß befestigt. Der Name, in schwarzer Schrift deutlich für mich lesbar: Manuela Dombrowski. Darunter: Manuela Dombrowskis Geburtsdatum. Der Todestag Manuela Dombrowskis mit Kreuzsymbol links davor.

 

 

Die Reihe der Grabstätten links und rechts, hinter und vor mir, alle mit Grabsteinen ausgestattet. Das heißt jede Menge Sandstein, Granit und Marmor. Was mich zu der Überlegung brachte, daß das Grab Manuelas ein Provisorium war. Hier sollte irgendwann in näherer, fernerer Zukunft hübsch beschriftetes Gestein als Grabplatte, -stein Manuela Dombrowskis Begräbnisstätte schmücken.

 

Wer bezahlte das aber? Schließlich war ein Begräbnis eine immense Kostenfrage. Noch dazu für die Dombrowskis, die alles andere als reiche Leute waren. Sonst hätten die Dombrowskis nicht in der Hegelstraße des Städtchens wohnen müssen. In der Hegelstraße, in der die Stadt mittelloser Bevölkerung feste Wohnsitze zur Verfügung stellte.

Manuela Dombrowskis Eltern, gesellschaftlicher Bodensatz. Manuela Dombrowskis Vater, ein Trinker, Gewalttäter mit jeder Menge Gefängniserfahrung; die Mutter, irgendwas von einer Hausfrau ...

Höchstens verbrennen hätten Vati und Mutti Dombrowski ihre Tochter lassen können. Wenn alles nicht überhaupt übers Amt ablaufen hätte müssen. Daß es sogar eine Frage gewesen wäre, wo die Asche der Toten - Manuela Dombrowski - hingetan werden sollte.

 

War Hans das, der dafür bezahlte? Hans, derjenige, der über Mittelsleute die geldwerten Modalitäten, wie zum Beispiel die Bestattungskosten, für die Dombrowskis übernahm?

Hans, der letzte Freund Manuelas, für den Manuela am Schluß sogar gestorben war, wie Beppi und Fransen zu mir im Joeys gemeint hatten.

 

 

Das Herz hat mir schnell geschlagen, der Schweiß ist mir auf der Stirn gestanden.

Voll im Tran war ich. Fühlte mich, angesichts von Manuelas Grab, als wäre ich auf Drogen.

 

 

 

 

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