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Blog von TeddeMehr

"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 173

16. April 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"

Aber, leider, das ist nicht so geblieben, daß ich nur so vor dem Grab Manuelas herumgestanden bin.

 

Es ist mir am Grab Manuelas etwas passiert. Muß sagen, ich habe was angestellt.

Ungern, daß ich daran zurückdenke. Möchte es fast hier nicht hintippen. Auch wenn das eine Kleinigkeit ist, die in die Tagebuch-Datei gehört.

Im Grunde war es eine Peinlichkeit. So was von oberpeinlich. Das, was ich am Grab von Manuela Dombrowski gebracht habe.

Wirklich nichts, daß ich gern vor Leuten ausgebreitet sehen würde. Wenn ich könnte, ich würd's in meinem Leben ganz löschen. Es für immer vergessen.

 

Eine Aufführung war das von mir, nicht von schlechten Eltern.

Also ...

Manuela Dombrowskis Grab gegenüberstehend, habe ich angefangen, in einer Tour auf Manuela Dombrowskis Bildnis unter dem kreisförmigen Kunststoffding am Kreuzmittelpunkt, wo der kurze und der lange Arm des schwarzgestrichenen metallenen Grabkreuzes ineinander übergingen, zu starren.

In meinen Gedanken die Überlegung, wie lebendig Manuela auf dem Foto unter dem Klarsichtplastik ausschaute. Nichts davon, daß Manuela wirkte, als würde sie sich irgendwie was ausdenken, demnächst tot zu sein, hier am Gnaden-Friedhof unter der Erde zu liegen.

Manuela auf dem fotografischen Abbild, das war Lebendigkeit, Lebenslust pur.

 

Nun, ich starre und starre, auf das Fotowerk. Das mir immer größer wurde. Und plötzlich war mir, da wäre Bewegung auf dem Bild.

Wie soll ich das beschreiben? Es war, als ob sich mir eine Art von Perspektive entfaltet. Plötzlich sehe ich mehr, richtig die Umgebung um Manuela herum. Die Straße, Gebäude ...

Ich wußte, wo das Foto geschossen wurde. Den Ort, den habe ich sofort gekannt. Die Hegelstraße.

In der Hegelstraße befanden wir uns, Manuela, ich - und ...

Christine Dombrowski.

Christine Dombrowski!

Die Stimme Christine Dombrowskis höre ich. Laut und deutlich. Rechter Hand seitlich von mir, ohne daß ich Christine Dombrowski im Blickfeld hatte.

Mensch, Manu - Cheese! Zieh doch kein so doofes Gesicht, Manu. Machen wir noch eins, Manu. Jetzt aber - Cheese! Cheese!

Nun hat Manuela, die vorher ernst aus der Wäsche guckte, ihr schönes Gesicht zu einem spitzbübischen Grinsen verzogen.

 

 

 

 

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