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Blog von TeddeMehr

"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 174

16. April 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"

Das Geräusch, daß mit einer Digitalkamera geknipst wurde.

Manuela: Schau mal, Christine. Schau mal, Christine - wer da gekommen ist. Du glaubst es nicht. Schau mal, wer da plötzlich bei uns da ist. Den kennst du sofort wieder, Christine. Dreh mal kurz den Kopf nach links, Christine, zur Straße. Schau mal, wer da jetzt steht, Christine.

Manuela Dombrowski, die das gesprochen hat, grinst breit - zeigt mit dem Zeigefinger. Auf mich.

Auf mich deutet Manuela Dombrowskis Finger.

 

 

*

 

Zweiundzwanziger Juli, meine Tagebuch-Datei offen.

Es ist 21:14 Uhr.

 

 

Mußte vorhin aufhören mit dem Tippen.

Hatte Manuela Dombrowski, Manuela Dombrowski in der Hegelstraße, zu deutlich vor meinem inneren Auge. Wie wahnsinnig, daß ich gezittert hab'. Das Herz hat mir rasend geschlagen. Gefährlich.

Davon mußte ich mich erholen. Und das hat ein Weilchen gedauert. Ein ziemliches Weilchen.

 

Das glaubt mir alles doch echt kein Mensch, das, was mich vorm Grab Manuela Dombrowskis erwischt hatte.

Echt kein Mensch.

 

 

Keine Ahnung, wie das mit Manuela Dombrowski und Manuelas Schwester Christine, die Manuela fotografiert hat, in der Hegelstraße für mich weitergegangen wäre. Hätte sich mir nicht eine aufgebrachte Männerstimme von hinterrücks in mein Bewußtsein gedrängt.

Die Stimme in meinen Gehörgängen: 'Hal-lo! Hallo! Mensch, was treiben Sie denn in dem Grab? Was soll denn das? Gehen Sie gefälligst sofort wieder da raus. Aber schnell! Was denken Sie sich eigentlich, wo Sie sind?'

 

Damit war mir der Zauber, der mich zu Manuela und Christine Dombrowski in die Hegelstraße entführt hatte, schlagartig zerrissen. An dem Ort - dem Grab Manuela Dombrowskis auf dem Gnaden-Friedhof - habe ich mich wieder vorgefunden. Mich wiederentdeckt.

Was da los war, das war kaum auszuhalten, für mich. So eine schlimme Geschichte.

Nicht vor dem Grab bin ich gestanden, wie ich es vorhin noch gewußt hatte. Sondern mittendrinnen und in die Hocke gegangen war ich, so dreißig Zentimeter von dem metallenen Kreuzgestell mit dem Bildnis Manuelas unter Klarsichtplastik und darunter der handflächenbreiten Holzleiste mit der schwarzen Beschriftung entfernt.

Tief war ich mit meinen gelben Turnschuhe in die locker aufgeschüttetee schwarze Erde gestiegen. Blaue Veilchen und andere frisch gepflanzte bunte Blümchen hatte ich niedergetrampelt.

 

Eine unerträgliche Peinlichkeit, das. Wollte mich nicht fassen.

 

 

 

 

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