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Blog von TeddeMehr

"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 188

21. April 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"

 

Mittlerweile sei das jedoch eingeschlafen, daß Menschen das Tabert-Gelände oder die Todeskurve zu sehen wünschten. Seit längerem wäre ich der erste, der sich wieder für Hans-Georg Tabert interessierte. Hans-Georg Tabert, der wegen seiner Affäre mit der hübschen Moderatorin des privaten Lokalradios zu einer regionalen Berühmtheit geworden war. Am Schluß allerdings, daß der Mann sich nicht als so passend für die Frau herausgestellt hatte.

 

Eine Taxifahrt von einer Viertelstunde war das. Rauf auf die Autobahn. Dann nach sechs Kilometern runter, Landstraße. Abfahrt von der nach drei Meilen. Am Schluß auf einer relativ schmalen Schlängelstraße den Berg Kilometer hinauf.

Mir war, als wäre ich viel zu schnell an meinem Bestimmungsort angekommen. Mitten in Geiersdorf gestrandet. Auf dem Marktplatz mit einem Brunnen, aus dem die Fontäneneinrichtung Wasser rhythmisch hochschießen ließ.

Der Taxi-Mensch, der hatte mir die Todeskurve Manuela Dombrowskis beim Vorbeilenken kurz gezeigt. Ebenso das Wohnhaus des besagten Hans-Georg Taberts am Dorfrand.

Der im Taxi hatte mir zum Abschied des weiteren eine ausgezeichnete Stelle empfohlen, mit dem allerbesten Blick auf die Gebäudeteile, die zu beschauen ich im Sinn hatte.

Damit, und weil er sein Geld mit hübschem Trinkgeld hatte, waren der Taxifahrer und ich geschiedene Leute. Und ich, auf einer Stufe des Fontänenbrunnens hockend, hatte tiefste Reue, nicht augenblicklich wieder mit dem freundlichen Menschen im Taxi zurück abgefahren zu sein. Fort aus Geiersdorf.

 

Echt wahr. Kaum angekommen, gefiel es mir in Geiersdorf nicht mehr.

Darüber habe ich philosophiert, wie geschwind man von einer Örtlichkeit zur anderen gelangen konnte. Plötzlich war ich nun in Geiersdorf. Auf einmal in Geiersdorf, dem Wohnort Hans-Georg Taberts.

Auch Manuela Dombrowski hatte in Geiersdorf bei Hans-Georg Tabert im Haus gewohnt. War Manuela Dombrowski die letzten zweieinhalb Jahre auch öfters mal für Wochen, Monate im Gefängnis.

 

 

Geiersdorf ...

Als Kind war ich zwei-, dreimal in Geiersdorf, erinnerte ich mich.

Mit Vati und Mutti und den Schwestern. Am Wochenende.

Das Auto hatte Vati immer in Geiersdorf geparkt.

 

Bei einem dieser Ausflüge hatten Bettina, Bettina, fünfzehn, und ich, so zehn Jahre, mächtig aufeinander eingehakelt, entsann ich mich.

Lange verschüttet, die Erinnerung. Am Stadtbrunnenplatz in Geiersdorf hockend, daß mir die Bilder aus meiner Vergangenheit in den Kopf gekrochen kamen.

 

 

 

 

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