"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 224
3. Mai 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"
Mit Sack und Pack habe ich mein Zimmer verlassen, habe zum Schluß im Nebenzimmer den Kabelrollenstecker gezogen. Den Flur bin ich hinuntergeschritten, habe die Treppenstufen hinabgemacht.
Im Nu war ich aus der Haustür draußen. Ohne daß mir noch jemand in den Weg getreten wäre, der irgendwas von mir gewollt hätte.
Der Taxifahrer hat mich an der Gartentür vorgefunden, als er angekommen war. Als meine zwei Sporttaschen hinten auf die Rücksitze gestellt waren, hat der gute Mann vom Taxiunternehmen mich nach der Stadt und dort in die Hegelstraße gefahren.
*
Fünfter August, meine Tagebuch-Datei offen.
Nachmittag am Montag. Jetzt: 16:04 Uhr.
Ja, in die Hegelstraße hab' ich mich fahren lassen. In die Hegelstraße.
Mit meinen beiden Sporttaschen links und rechts von mir, habe ich drinnen im Gebäude in der Hegelstraße bei den Eltern Manuela Dombrowskis an der Wohnungstüre geläutet. Obwohl es fast schon dreiviertel zehn Uhr am Abend war.
Keine Ahnung, was ich sagen hätte wollen, wenn der alte Dombrowski mir die Wohnungstüre im Erdgeschoß da aufgemacht hätte. Um mir in die Visage zu stieren.
War aber nicht. Eine ältliche, schwammig aufgedunsene, überschminkte Person mit kupferroten Haaren, in einem blutroten Bademantel gekleidet, hat mir die Tür geöffnet.
Dachte erst, das wäre die Falsche. Frage: Hatte der alte Dombrowski eine neue Ehefrau? Brauchte echt den zweiten Blick, die Frau wiederzuerkennen - sie, Mutti Dombrowski. Mutti Dombrowski, heutzutage dermaßen abgehalftert.
Als ich mit Manuela damals vor einem Jahrzehnt ein knappes Jahr ungefähr zusammen war, war Mutti Dombrowski eine, gewissermaßen ein heißer Feger, hübsch, jugendlich. Eine Spitzenfigur, Mutti Dombrowski, Mutti Dombrowski schon mal gerne im Minirock, mit Beinen. Daß Manuela mich hergeboxt hat, weil sie bemerken hat müssen, daß ich fasziniert nach den Beinrundungen der Mutti linste und höher.
Jetzt hatte ich zweimal hinsehen müssen, Mutti Dombrowski auch nur ungefähr wiederzuerkennen.
Ich frage trotzdem vorsichtig: 'Frau Dom-browski ...?'
Sie antwortete: 'Ja! Was wünschen Sie bitte, um die Zeit?'
Ich: 'Das kann ich hier so nicht sagen, zwischen Tür und Angel. Weiß nicht - könnte ich vielleicht zu Ihnen hineinkommen?'
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