"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 225
3. Mai 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"
Sie: 'Ah, ich kenn' Sie doch! Warten Sie - Bernd, Bernd, nicht wahr? Sie sind das, Herr Bernd. Ja doch! Sie waren mal länger mit Manuela zusammen ... Ach, ist das lange her.'
Ich: 'Stimmt!'
Sie: 'Kommen Sie doch bitte herein, Herr Bernd. Macht mir nichts, auch nicht um die Zeit.'
Ich: 'Danke!'
Meine beiden Taschen nehme ich hoch, trage sie über die Türschwelle, setze sie am Flurgang drinnen wieder ab.
Sie: 'Hach nee, wie ist das alles heute wieder lange her ...'
Ich, voll für das ungefähre Gesäusel, damit es mich meines Weges bringt: 'Hab' Manuela früher mal sehr geliebt, Frau Dombrowski. Wirklich Manuela geliebt. Das müssen Sie mir glauben. Wollte mich damals nicht von Manuela trennen. Tut mir auch heute alles noch sehr weh, wie das damals zugegangen ist. Das, was passiert ist, hätte alles nicht sein müssen. Tut mir alles sehr leid, Frau Dombrowski, das, daß Manuela heute ... Daß Manuela ... Mein Beileid, Frau Dombrowski!'
Frau Dombrowski schluchzte laut auf. Frau Dombrowski: 'Bitte, Herr Bernd, wir müssen hier nicht am Gang rumstehen. Kommen Sie hinter mir her, ins Wohnzimmer.'
Im Wohnzimmer, daß Frau Dombrowski und ich eintreffen.
Auf ein schäbiges, fadenscheiniges Sofa deutete Frau Dombrowski. Frau Dombrowski: 'Bitte, Bernd, setzen Sie sich doch. Im Sitzen spricht's sich besser.'
Ich: 'O ja!'
Zu dem besagten Rißstellen-Sofa begebe ich mich, hocke mich nieder.
Mir gegenüber setzt Frau Dombrowski sich auf einen alten, schwarzen Ledersessel, bei dem weißer Schaumgummi an den runden Ecken der Sitzfläche herauslugte.
Auf viel nackte Haut an Frau Dombrowskis feisten Oberschenkeln starre ich, wo Frau Dombrowski der Bademantel auseinanderklaffte. Ohne daß Frau Dombrowski etwas da dagegen unternehmen wollte, daß ich viel schaute, weiter oben Dunkleres erahnte, wenn ich hinschielen mußte. Dorthin, bei Frau Dombrowski, der alten Nutte, immer auf ein, zwei Scheinchen aus. Größere oder kleinere.
Ich: 'Noch mal mein herzlichstes Beileid, Frau Dombrowski! Weil Manuela ...'
Sie: 'Das ist auch schon wieder ein paar Monate her, heute ... Daß Manuela ...'
Ich: 'Tja. Manuela, ein wirklich schlimmes Unglück. Ich war letztens erst kurz an Manuelas Grab ...'
Frau Dombrowskis Schluchzer. Richtig zu weinen fängt Frau Dombrowski an, daß ihr manches der billigen Schminke sofort zerläuft.
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