"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 226
4. Mai 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"
Ich: 'Hier, Frau Dombrowski!' Ein Papiertaschentuch aus der Packung, die ich mir aus der Hemdbrusttasche holte, reichte ich Frau Dombrowski mich vorbeugend rüber, statt aufzustehen, Frau Dombrowski tröstend in die Arme zu nehmen.
Frau Dombrowski, die mir mein papiernes Tüchlein mit Fingernägeln, auf denen spitz zulaufende, dunkelblaue Nagelplättchen aufgesetzt waren, abnahm, säuselt: 'Danke, Herr Bernd! Sie sind so nett.'
Ich: 'Ich hab' leider erst vor ein paar Tagen davon reden hören, von dem, was mit Manuela geschehen ist. Eine fürchterliche Sache. Wünscht sich keiner. Konnt's nicht glauben, daß Manuela so etwas passiert ist. Was für ein Unglück. Hätte ich das früher gewußt, von dem mit Manuela, daß Manuela ... Aber, ich wohn' ja auch nicht mehr ständig in der Gegend hier ...'
Frau Dombrowski: 'Vielen Dank für Ihre Anteilnahme, Herr Bernd. Das Sie extra deswegen zu mir herkommen, mir Ihr Beileid auszudrücken. Nachdem Sie erfahren haben ... Und das, obwohl das zwischen Manuela und Ihnen schon so ewig lange her ist. Obwohl Sie und Manuela im Unfrieden auseinandergegangen sind. Ich danke Ihnen sehr dafür, daß Sie bei mir vorbeigeschaut haben.'
Ich: 'Ich mußte das einfach jetzt machen, Frau Dombrowski. Einfach persönlich bei Ihnen vorbeischauen. Mich persönlich mit Ihnen unterhalten. Um Ihnen mein Beileid zum Ausdruck zu bringen. Die letzten Wochen, Monate waren sicher eine schwere Zeit für Sie. Manuela, die ... Ich glaub's einfach nicht. Daß Manuela ... Irgendwie ist da auch heute noch was Besondres, zwischen Manuela und mir. Schwer für mich, das jetzt in Worte auszudrücken. Mir ist, als könnte Manuela überhaupt nicht tot sein. Müßte sie noch leben. Unglaublich. Weiß gerade nicht, wie ich Ihnen das richtig sagen soll, was ich fühle. Wegen Manuela.'
Neue tieftraurige Schluchzer von Mutti Dombrowski. Ins papierne Taschentuch schneuzte sich die Frau, Frau Dombrowski, die mittlerweile schminktechnisch voll derangiert im Gesicht ausschaute.
Auch ich blinzele. Meine, einzelne Tränen, die mir die Wangen hinunterlaufen. Waren schließlich auch eine gemeine Kiste für mich, die Ereignisse der jüngsten Vergangenheit, an denen Manuela Dombrowski großen Anteil hatte, obwohl Manuela Dombrowski doch tot war.
Ich: 'Ich denke, das ist das mindeste, was ich tun konnte: zu ihnen herkommen, Frau Dombrowski, ein paar Worte des Trostes zu Ihnen zu sprechen. Erinnere mich, daß ich mich mit Manuela damals verloben wollte. Mir einen Verlobungsring für Manuela kaufen ...'
Glatt gelogen, was ich hier gegenüber Mutti Dombrowski geplappert habe. Obwohl, gescherzt hatten Manuela und ich ein-, zweimal darüber, daß wir bald ein richtiges Ehepaar wären. Das allerdings, dafür aufbrechen zu wollen, das irgendwie amtlich zu machen, davon waren Manuela und ich meilenweit entfernt.
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