"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 229
5. Mai 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"
Das Kinn habe ich mir nachdenklich hergerieben, auf jene Manuela mit dem kupferroten Haar auf der Fotografie blinzelte ich. Ich fand, das wäre Manuela heutigen Alters, dieselbe Manuela, wie SIE mir vorm Unteren begegnet war, an dem einen Nachmittag. Es fröstelte mich.
Frau Dombrowski: 'Ich hab' da was Komisches, Herr Bernd. Das begreif' ich nicht. Ich kann das nicht recht verstehen. Hinten, Herr Bernd, hinten - wenn Sie das Foto umdrehen. Bitte, Herr Bernd, drehen Sie das Foto mal kurz um. Schauen Sie sich hinten bitte mal das weiße Papier an. Vorgestern, als ich mir das Foto mit Manuela drauf wieder angesehen hab', seh' ich das, Herr Bernd. Was da zu lesen steht, nicht zu glauben. Aber, schauen Sie sich das doch bitte erst selber an. Dann würd' ich gern wissen, was Sie dazu sagen.'
Auf das Farbfotobild Manuelas glotze ich, wollte eben mit fahrigen Fingern danach greifen - da schrecke ich zusammen.
'He, Dummfotze, was schreibst du mir 'ne Kurze, daß ich heimkommen soll, wenn ich doch nicht heimkommen hätte sollen? Gibt's hier was mit einem Jungchen von der Blase-Kapelle?'
Vati Dombrowski stand auf der Schwelle der Wohnzimmertür.
Vati Dombrowski: 'Soll ich mir den Pampe-Bumskopf da anstellen, Mutti? Mir das mit ihm genauer vormachen? Kommt er nicht mit seiner Geldtüte raus?'
Mutti Dombrowski: 'Nein, Vati! Lass mal. Das ist ein alter Freund Manuelas. Er ist gekommen, weil er von dem gehört hat, was Manuela passiert ist. Er hat mir sein Mitgefühl ausgesprochen.'
Vati Dombrowski: 'Nix als ein Affe. Ein Affe ist der. Ein Affe, sag' ich. Nein, Mutti, der Affe kann nicht einfach hier zu uns reinkommen, wegen nichts. Achtzig kostet das Gebläse vorn. Einhundertzwanzig das Nähen. Wenn nichts mit dem Stecher los ist, kostet's auch. Hat er bezahlt, schert er sich am besten jetzt auf der Stelle hier raus. Ich brauch' keinen von den Lutschern Manus, für nichts. Nicht einen einzigen von denen, die Manu je gelutscht hat. Nicht einen brauch' ich von denen.'
Hoch auf die Beine schaff' ich mich; war besser, für Vati Dombrowski dazustehen. Vati Dombrowski, der weniger wie ein Faustkampfkandidat ausschaute. Eher wie ein dürrer, abgehärmter und ziemlich alt gewordener Mann. Stahlwollgraue Altmännerhose an, grüne Strickweste, braune Pantoffel an den nackten Füßen.
Ein kränkliches Klappergestell, Herr Dombrowski, schmallippig, die Wangen eingefallen.
Vati Dombrowski: 'Der schaut mich aber an, Mutti! Wenn er da ist, will ich, daß er was zahlt. Auf der Stelle. Ich will was Knete sehen. Oder ... Oder ich ...'
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