"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 230
5. Mai 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"
Mutti Dombrowski: 'Bitte, Vati! Das ist doch Bernd. War vor Jahren mal lange der Freund von Manu ... Kennst du ihn denn nicht?'
Ins Wohnzimmer wankte Herr Dombrowski herein, ließ damit erst eigentlich merken, was für eine Schlagseite er hatte. Vati Dombrowski: 'Nein, Mutti, nein! Jede einzelne Latte hat den gleichen Preise. Auch die Manus kosten gleich. Nichts auf der Welt ist umsonst, schon gar, wenn einer hier bei uns drinnen ist. Der hat was zu zahlen - jetzt sofort!'
Frau Dombrowski, die ihrem Ehegemahl den Weg vertrat: 'Bitte, Va-ti! Bitte!'
Vati Dombrowski: 'Ich will, daß er seine Scheinchen auspackt. Dafür zahlt. Sofort. Oder es passiert ihm was ...'
Ich: 'Ich geh' dann mal, Frau Dombrowski. Auf Wiedersehen!'
Wäre es für irgendeine Kleinigkeit nütze gewesen, hätte ich beim Vorübergehen mit der Faust nach dem alten Dombrowski, dem seine fettgewordene Ehefrau die Unterarme festhält, geschlagen? Der alte Dombrowski, sturzbetrunken wie er war, war er nicht mal dazu fähig, sich von Mutti Dombrowskis Händen freimachen zu können. Außer Flucherei, bösen Worten gegen mich und die Mutti war nicht viel los mit dem Mann.
Am Flurgang fand ich mich vor, der vermüllten Wohnzimmereinheit und dem Alkoholgestank entkommen. Flott war ich auch aus der Wohnung der Dombrowskis draußen.
Warten Sie, Herr Bernd! Warten Sie!'
Im Schritt zur Haustür verhalte ich, wende mich um, sehe Mutti Dombrowski auf der Wohnungstürschwelle. Kopfnickend kehre ich zu Mutti Dombrowski zurück.
Mutti Dombrowski: 'Entschuldigen Sie bitte, Herr Bernd! Aber Vati verträgt nicht mehr so viel wie früher mal. Eigentlich dürfte er überhaupt nichts mehr trinken.'
Ich: 'Ja ...?'
Mutti Dombrowski: 'Schauen Sie, Herr Bernd, Sie waren so nett, sind hier vorbeigekommen. Dafür geb' ich Ihnen das von Manuela. Als Erinnerung an Manuela.'
Das schwarzweiße Sterbebildchen Manuelas und das große Farbfoto Manuelas, das Manuela mit den Kupferhaaren drauf, hält Frau Dombrowski mir hin.
Ich nehme beide Fotowerke. Ich: 'Danke, Frau Dombrowski! Dann geh' ich jetzt. Muß zum Bahnhof. Um halb zwölf Uhr rum fährt mein Zug.'
Frau Dombrowski: 'Auf Wiedersehen, Herr Bernd!'
Auf dem Absatz drehe ich mich um, entferne mich.
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