"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 244
10. Mai 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"
Gegen dreiundzwanzig Uhr am Mittwoch bin ich nochmals vor Angelikas Wohngebäude spaziert. Mußte das bringen.
Bei Angelika droben: nichts. Dunkelheit hinter den Fenstern.
Als ich eine Stunde später das mit dem Vorbeikommen wiederholte, für eine geschlagene Viertelstunde hochguckte, blieb es dabei, daß bei Angelika kein Licht an war oder anging.
Donnerstag, Freitag, Samstag, nicht die leiseste Regung Angelikas, was mich anbetrifft. Als wäre ich für Angelika gestorben. Plötzlich eine ausgestorbene Art.
Weder Betsy noch Laila, bei denen ich mich telefonisch meldete, konnten, wollten mir etwas davon sagen, wo Angelika plötzlich abgeblieben war. Geradezu pampig, daß beide, Betsy und Laila, mir ankamen, weil ich mich bei ihnen nach Angelikas Verbleib erkundigte. So, als ginge mich Angelika und wo Angelika sich im Augenblick aufhielt, nicht das allerbißchen was an.
Veronika, Anke und Klaus habe ich am Freitagmittag zufällig im Fisch-Restaurant getroffen, mich zu ihnen an den Tisch begeben. Obwohl es für mich schwierig war, den dreien, denen mich Angelika in der New York Bar vorgestellt hatte, ohne Angelika anzukommen.
Alle drei meinten, sie hätten keine Ahnung, wo Angelika wäre; vielleicht, daß Angelika für eine Woche in Urlaub gefahren war. Oder Angelika, schnell heim zu ihren Eltern, ihre Lieblingsreitpferde im Stall zu besuchen. Was wollte ICH denn von Angelika?
Das war urplötzlich eine interessante Frage für mich.
Laut sagte ich Veronika, Anke und Klaus, daß ich Angelika ein Wirtschaftslexikon geliehen hätte. Das bräuchte ich jetzt wieder, für mein eigenes Studium.
Anschließend habe ich mich schnell verabschiedet, bin vom Tisch Veronikas, Ankes und Klaus' aufgestanden.
Jede Verbindung von mir zu Angelika war abgerissen. So fühlte ich mich auch.
Bis ich gestern am Sonntag gegen halb vier Uhr nachmittags ins Café Lenz rein bin. Erst wollte ich das überhaupt nicht, das Café Lenz betreten. Vorüberzumachen, das schien mir fast besser, weil ich dachte, ich würde nur Helen im Café Lenz wiedersehen.
Im Café Lenz, ein regelrechter Schock für mich.
In der Mitte des Café Lenz an einem der Tische da, daß ich Angelika dasitzen sehe. Angelika, wie sie leibt und lebt, fröhlich und unbeschwert ist. In einer Kaffeetasse rührt Angelika, grinst breit.
Unvermittelt sieht Angelika mich, springt auf, kommt auf mich zu, meint zu mir, ich soll mich doch zu ihr und den anderen dazusetzen.
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