"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 248
11. Mai 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"
Die Tage drauf war immer so eine Atmosphäre. Als befände sich der Anrufer unter der Erde. Eventuell in einem Tunnel. Oder sonst wo in einem unterirdischen Gemäuer. Einmal meinte ich sogar, ich würde elektronisches Musikgewummer vernehmen.
Könnten allerdings auch bloß profane Bauarbeiten gewesen sein.
Ähnliches habe ich letztens mal gehört, als ich am Unigelände vor einem Aufzug herumgestanden war. Stockwerke höher waren Maurer, Handwerker mit Innenarbeiten zugange.
Das heute vormittag, das fand ich jedoch bedrohlicher als alles zuvor. Das war eindeutig vernehmbar eine Zeitansage. Auf einem Bahnhof.
... neun Uhr fünfzehn, Gleis drei ..., habe ich verstanden.
Der Anrufer war also auf Reisen, wollte mich das wissen lassen.
Selber schuld, kann man da nur zu mir sagen.
Hätte ich besser auf das mit der doofen Kurzmitteilung verzichtet. Dann gäbe es gegenwärtig für mich kein obskures Zeug. Daß es mich fröstelt, mir eiskalt den Rücken hinunterläuft.
Obwohl, Mutti Dombrowski, Mutti Dombrowski, die hätte Christine, ihrem Töchterlein, meine notierte Nummer irgendwann auch persönlich in die Hand drücken können.
Wäre das nicht auf dasselbe herausgekommen?
Jetzt muß ich damit leben. Und ich mache mir in die Hosen.
Sogar so heftig, daß ich Angst davor habe, daß Angelika mich anruft oder Angelika mir eine Nachricht schickt. Angelika, die mich in der New York Bar sehen möchte. Heute abend.
Weil in mir ist die Idee - Christine Dombrowski, Christine Dombrowski, die, die könnte jetzt hier in der Stadt sein. Christine Dombrowski hier ums Wohnheim herumschleichen. Christine Dombrowki, die Spaß daran hat, mir aufzulauern.
Und plötzlich steht Christine Dombrowski Angelika und mir gegenüber. Zum Beispiel, wenn Angelika und ich aus der New York Bar auf den Nachhauseweg sind.
Nur - könnte ich nicht in der Lage sein, Christine Dombrowski umzunieten? Christine Dombrowski den einen oder andern Schlag zu verpassen, daß Christine Dombrowski am Boden liegt, wenn Christine Dombrowski mir oder Angelika unangenehm ankommen möchte?
Christine Dombrowski, die ist wirklich noch eine Lebende. Etwas Gegenteiliges weiß ich noch nicht von Christine Dombrowksi. Im Gegensatz zu dem, was ich von ihrer Schwester - ihrer kleinen Schwester Manuela - erfahren habe.
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