"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 262
16. Mai 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"
Die Erde war staubtrocken und dunkelbraun. Irgendwie hätte ich das beinahe übersehen ...
Erst mal: Am Leitplankenfuß fand sich ein längerer, dünner Draht drumherumgemacht, der locker herabfiel. Mein Blick fiel auf eine schwarze, glatte, rechteckige Plastiktafel. Die zum Berghang hin beim Plankenfuß dalag.
Habe mich danach herabgebückt. Nach dem Rand der Plastikfläche gegriffen, sie herumgedreht. Dadurch präsentierte sich mir ein goldfarbener schmaler Rahmen. Unter der dünnen Klarsichtplastikscheibe befand sich eine Fotografie.
Die Person auf dem Foto: natürlich Manuela Dombrowski.
Jene Manuela Dombrowski hockte auf dem circa fünfundzwanzig Zentimeter breiten und zwanzig Zentimeter hohen Fotowerk auf dem Tor einer Pferdekoppel.
Breit grinste Manuela Dombrowski, die eine Reithose und -stiefel und ein rotes Männerhemd anhatte, eine Reitgerte in den Fingern, dem Fotografen und dem Betrachter - mir - eine Runde.
In Manuelas Rücken war, seltsam verwischt, irgendwas Großes. Das angesichts des Ortes ein schwarzes Pferd sein mußte. Monstermäßig verhuscht, das Vieh, das beim Fotografieren nicht stillstehen hatte können.
Nun das unfaßliche Momentum, der Horror. Das gleiche, das bei mir geschah, das mir bereits auf dem Gnaden-Friedhof gegenüber von Manuela Dombrowskis Grabkreuz mitgespielt hatte. Als ich auf Manuela Dombrowskis Paßfoto, das mitten am schmucklosen metallenen Sterbekreuz angebracht war, draufstarrte.
Ich will sagen: Während ich auf das Foto schaute, verging Manuela Dombrowski ihr Grinsegesicht. Plötzlich eine ernste Miene, mit der Manuela Dombrowski mir entgegenlinste.
Unbestimmt wurde der Ausdruck von Manuela Dombrowskis Augen und Gesicht immer angenervter. Als ob sich etwas abspielte, das sich nicht hätte abspielen sollen. Und jetzt, nachdem sich das Unerwartete nicht augenblicklich als Täuschung erwies, war Manuela Dombrowski deswegen unzufrieden.
Kopfschütteln Manuela Dombrowskis. Wirklich: Manuela Dombrowski schüttelte den Kopf.
Eine wegwerfende Handbeweung Manuela Dombrowskis zu mir hin; denke nicht, daß Manuela Dombrowksi damit jemand anders meinte.
Langsam, daß Manuela Dombrowski sich daran machte, von dem hölzernen Koppeltor herunterzusteigen.
Das Monster, das in Manuela Dombrowskis Rücken die Fläche füllte, das bewegte sich, blieb in der zeitlupenhaften Bewegung jedoch bei der verwaschenen Präsenz.
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