"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 264
17. Mai 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"
Wie viele Flaschen Bier, Wein, Schnaps mein Vater momentan säuft, bloß weil er die Tage keine Arbeit hat - was juckte das denn mich? Wenn einer wegen seiner Arbeitslosigkeit, mit der es eigentlich erst vor kurzem angefangen hatte, herumheulte, seine Sache.
Sagte das auch deutlich zu Mutti, die mir aber trotzdem mit ihrem Gesülze von Vater nicht aufhören wollte.
Habe ich gemeint, daß Vater vielleicht schlicht und einfach seine freie Zeit genießen und nützen sollte, solange er sie noch hat. Ein Buch lesen. Das für sich betrachten, daß es einen Anschluß fürs internationale Netz im Haus gibt. Bringt es das, monatlich für etwas zu bezahlen, und das dann total außen vor zu lassen?
Mann, so viele interessante Dinge gäb's auf der Welt, die einer anstellen könnte, muß er mal eine Zeitlang nicht tagsüber stundenlang malochen. Auch wenn er sich jetzt in seinem Alter wieder in fremden Betrieben vorstellen müßte.
Hätte ich nicht diese Scheißangst, ginge es mir damit etwas besser, würde ich es sicher schaffen, einfach durch die Ausgangstüre aus der Studentenwohnheimeinheit hinauszugehen.
Das erste, das dann fällig wäre, wäre, bei Angelika vorbeizuschauen.
Schließlich hat Angelika sich letztens im Molto als meine nächste Freundin aufgeführt. Und jetzt meldete sich Angelika nicht mehr, für nichts. Angelikas Phönchen, praktisch tot für mich.
Keine einzige Kurznachricht. Von ihr zu mir. Ob meine Textnachrichten gelesen wurden, wie soll ich das sagen können?
Kein Anruf von ihr bei mir. Nicht die kleinste Reaktion, rufe ich. Das heißt mailbox. Immerhin.
Das muß ich doch kurz hier erwähnen:
Gegen halb sechs Uhr war ich, in der festen Absicht, zum Einkaufen zu gehen, mit meinem Rollkoffer bereits bei der Ein- und Ausgangstüre des Wohnheims draußen. Auch wenn mir die Knie weich wie Butter waren, mir der Schweiß tropfte.
In dem Moment kommt Robbie bei mir an.
Robbie, dauernd wie das Abziehbild eines geschniegelten Beamten. Grauer Hut auf den kurzen, rotblonden Haaren, Robbie, im stahlgrauen Anzug. Weißes Hemd mit schwarzer Krawatte. Schwarzglänzend gewichste Schuhe an den Füßen.
Robbie grüßt mich.
Dann geht Robbie mir nicht aus dem Weg, obwohl ich der mit der Vorfahrt war. Mir gegenüber bleibt Robbie aufgebaut, obwohl ich seinen Gruß nicht das bißchen erwidert hatte.
Robbie: 'Keine besondre Laune heute, Bernd?'
Ich: 'Nein!'
Robbie: 'Macht nichts. Will nur fragen, ob du heute abend wieder in den Wohnheimkochkurs kommst.'
Ich: 'Ach, der Kochkurs ...'
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