"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 271
19. Mai 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"
Den Eisengehstock, mit dem mein Gegner schwach, ungeschickt nach mir stach, umfaßte ich und riß ihn ihm wie nichts aus den Fingern.
Jetzt hatte ich das Metallding. Ich der, der damit zuhauen hätte können.
Mit weit aufgerissenen Augen stierte ER mich an. Voll hatte ER die Furcht vor dem Eisenstock, den Hieben, die ich IHM damit drüberziehen konnte.
Jetzt kannte ich IHN urplötzlich.
Das war Fransen.
Fransen!
Daß ich nicht augenblicklich gewußt hatte, wer das war? Daß mir das nicht unmittelbar eingefallen war?
Irre erbärmlich sah Fransen vor mir am steil abfallenden Gelände daliegend aus. Von nichts, was mir vorhin noch so groß an Gestalt bei ihm vorgekommen war, war bei Fransen irgendwas übriggeblieben.
Fransen, die allerjämmerlichste Kreatur, die man sich nur vorstellen konnte.
Links und rechts lief Fransen schwarze Soße die Mundwinkel herunter. Ein verhältnismäßig dicker Fluß undefinierbarer Flüssigkeit. Blut war das jedoch nicht.
So was von übler Gestank, der von Fransen wegging. Nicht nur, als hätte Fransen sich frisch in die Hosen gemacht. Paßte ausgezeichnet zu der kackbraunen Hose, dem ekelhaft fleckigen Mantel.
Schweiß lief Fransen am eingefallenem, hohlwangigem Gesicht, tropfte bei Fransen.
Mir war, als fehlten Fransen, der voller finsterer Erwartung dessen, was von mir jederzeit schmerzensreich kommen könnte, den Mund fletschte, sämtliche Zähne.
Tatsächlich, als hätte Fransen im Moment sein Gebiß nicht drinnen.
Da war nichts als dunkler Rand. Dahinter ein Schaum von ekliger Schwärze.
Der metallene Gehstocks Fransens, wirklich das edelste Teil an Fransen.
Mit einem gräßlichen Drachenmonster mit weit aufgerissenen Maul droben am Knauf. Realste Plastik. Zum Angstkriegen.
Den Metallspazierstock hob ich an, drohte Fransen an, das erste Mal nach ihm zu schlagen. Daß Fransen von mir zurückzuckte. Rückwärts ruckte.
Statt jedoch auf Fransen herab loszudreschen, guckte ich bloß voller Spott auf Fransen.
Dann warf ich Fransen seinen Spazierstock an den geteerten Rand der Geiersdorfer Bergstraße hinunter.
Nun ballte ich die Fäuste.
Total, die Verzweiflung Fransens. Fransen, hilflos allem ausgeliefert, was immer ich beliebte, mit ihm anzustellen.
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