"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 282
23. Mai 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"
Schlimm, daß ich ausgesehen haben müßte. Nicht gerade wie einer, der Freundlichkeiten mit jemandem austauschen wollte. Keine der Damenwelt, die die geringste Ahnung haben konnte, daß ich momentan große Folterqualen durchlitt. Sich das mit meinem Gesichtsausdruck richtig zu deuten, hätten sie schon informiert sein müssen. So mußte das einen angriffslustigen Eindruck erwecken, so breitbeinig, wie ich mich zu dem Frauendreier hin aufgebaut hatte. Wie ein Duellant in einem Westernfilm.
Was bei mir an Qual abging, fürchterlich. Dadurch war atsächlich ein nicht geringes Maß an hilflosen Zorn in mir. Hätte ich gut als Ventil gebraucht, wäre mir schon eine Sache gewesen, hätte ich die Weiber dazu veranlassen können, sich umzudrehen, schreiend die Teerstraße hinab davonzurennen.
Bloß, der flotte Nordic-walking-Dreier vertraute auf die metallenen Stöcke in den Händen. Darauf, daß ihnen, zu dritt wie sie waren, nichts würde geschehen können. Nichts auf der Welt. Auch hatte die eine von ihnen, die in der Mitte, soeben die Polizeikolonne herbeitelefoniert. Eine Tatsache, die im übrigen Schutz gewährte.
Polizisten würden bald ankommen. Das war die Erinnerung.
Zu den weiblichen Sportskanonen hin zuckte ich die Schulter. Was sollte es? Die Wahrheit war: Nichts, was sich bei und mit mir abspielte, hatte keine von ihnen verschuldet. Nicht eine von denen an irgendwas die allerkleinste Schuld.
Je mehr Zeit verstrich, um so unmittelbarer wurde mir die Gefahr, daß mir die von der Polizeigewerkschaft angefahren kamen. Mich, daß sie vorfanden. Mich allein.
Deswegen brachte ich mich, angesichts der Rückenpein, die mich dazu veranlaßte, die Augen zu verdrehen, leise zu stöhnen, in unbequeme, stelzige Bewegung.
In die Nähe der Leitplanke, daß ich im wahrsten Sinne des Wortes taumelte.
Einen Blick auf das gerahmte Foto warf ich.
Auf dem fotografischen Werk hatte sich Manuela Dombrowski nicht zurück auf das hölzerne Koppeltor hinaufscheren wollen.
Nicht hockte Manuela Dombrowski wieder lächelnd oben auf dem Holztor zur Pferdekoppel. Statt dessen harrte Manuela Dombrowski weiter im Stehen aus. Die Miene sauer, unzufrieden, die Arme aggressiv, nach der Art einer Gebieterin in die Hüften gestemmt.
Die Fotoszene war verändert geblieben.
Fragte mich: Wem wäre das im Leben je aufgefallen, daß die Szene auf der Fotografie jetzt eine andere war?
282
Newsletter
Gib Deine E-Mail-Adresse ein, um bei zukünftigen Artikeln benachrichtigt zu werden.
Seiten
Kategorien
- 768 "Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"
- 374 mehr meilen
- 370 Kurzware
- 368 "Drei Erwachen"
- 360 hug it
- 352 allerlei
- 325 Kurzware II
- 315 kleine Szenen
- 310 Kleinteile
- 304 rundgehen
- 223 "Die Augenzeugin"
- 167 nach dem Tritt
- 152 dreimal erwachen
- 93 T-Rixi
- 57 K.K.
- 39 miles
- 22 Jäger des nächsten Textes
- 16 Kurzgeschichte