"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 283
23. Mai 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"
Jeder mögliche Betrachter würde denken, das Bild unterm Goldrahmen war von Haus aus dieses.
Selbst der, der das Foto rahmen ließ, würde sich vielleicht nur etwas darüber wundern, daß er eigentlich gemeint hätte, das wäre ein andres Bild gewesen, daß der sich ausgesucht hatte.
Wie kann sich schließlich etwas auf einem Foto verändern? Außer vielleicht, daß man vorher ein paar Details nicht wahrnahm.
Aber sonst, sonst war es immer das gleiche Bild. Oder?
Ach ja ...
Von einem dunklen Monster - Pferd oder nicht Pferd oder so -, das sich auf dem Foto als schwarze, verwaschene Fläche oder Schatten abgebildet hatte, war nichts mehr zu sehen.
War anscheinend woanders hingaloppiert, das Vieh. Simpel nach außerhalb geraten.
Arrogant, daß Manuela Dombrowski nach mir her starrte.
Und ich - ehe Manuela Dombrowski mir auf der Fotografie noch mal irgendwie in Bewegung geraten, Manuela Dombrowski mir mit den Äuglein eins blinzeln konnte - habe aufgeschrien, habe mich aus der Herabbeugeposition zur Streckung gebracht. So schrecklich das auch für mich war.
Dann habe ich angefangen, mit meinem beschuhten Fuß nach und nach die Tee- und Grablichter, die Kerzen und Blümleinwelt aus der Leitplankengegend fortzutreten. Daß alles die steile Anhöhe jenseits hinunterkullerte.
Zu guter Letzt bin ich Manuela Dombrowski mit den Turnschuhen auf das gerahmte Bild gestiegen. Daß es knackste, splitterte.
Entzwei gebrochen habe ich den goldfarben bemalten Metallrahmen.
Das war wirklich nichts als Fotopappe, die ich mit den Fingern herauszerrte, ohne mich an einer dünnen, spitzen Scherbe der zerbrochenen Klarsichtplastikfläche zu schneiden.
Nichts als Papier. Nicht das bißchen etwas anderes.
Nirgendwo der kleinste Speicher-Chip. Nicht die schmälste metallene Zuleitung zu einem Akku erkennbar. Ebensowenig die leiseste Spur von einem Modul für Sonnenstrom am Bilderrahmen. Keine Rede also, daß sich dort eine Art Technik irgendwo verborgen hätte.
Was ich mit den Fingern in kleine Fetzen zerriß, war das etwas dickere Papier für Fotoaufnahmen. Ansonsten nichts.
Papierfetzchen ließ ich auf den dunkelbraunen Erdboden herabregnen. Die Stücke des Bilderrahmens, habe ich mit dem Fuß aus meiner Umgebung getreten, daß sie zum Rest dazu über den Rand hinunter machten.
Dann war das mit meinem Akt des Vandalismus vorüber, und weiter keine Polizei weit und breit.
283
Newsletter
Gib Deine E-Mail-Adresse ein, um bei zukünftigen Artikeln benachrichtigt zu werden.
Seiten
Kategorien
- 768 "Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"
- 374 mehr meilen
- 370 Kurzware
- 368 "Drei Erwachen"
- 360 hug it
- 352 allerlei
- 325 Kurzware II
- 315 kleine Szenen
- 310 Kleinteile
- 304 rundgehen
- 223 "Die Augenzeugin"
- 167 nach dem Tritt
- 152 dreimal erwachen
- 93 T-Rixi
- 57 K.K.
- 39 miles
- 22 Jäger des nächsten Textes
- 16 Kurzgeschichte