"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 329
7. Juni 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"
Schwer für mich zu sagen, wie viele Freier Christine Dombrowski die Abend- und Nachtstunden durch schon hatte. Jetzt hatte Christine Dombrowski jedenfalls, weil das mit ihrem Geschäft für sie die Nacht weitestgehend vorbei war, sich meiner erinnert. War in der Stimmung, kurz bei mir vorbei- und zu mir reinzuschauen.
Verhältnismäßig knochig, dürr und hochgewachsen war Christine Dombrowski immer schon gewesen. In der Gegenwart schien sich das mit Christine Dombrowskis Klapprigkeit jedoch verstärkt zu haben. Außerdem: Wie Christine Dombrowski mir da so gegenüberstand, breit grinsend, war mir, als könnte Christine Dombrowski sich mit ihrer Bleiche sekündlich in Luft auslösen. Im wahrsten Sinne des Wortes, daß ich das wahrzunehmen meinte.
Um es auf den Punkt zu bringen: Regelrecht geisterhaft, durchsichtig, so sah ich Christine Dombrowski unvermittelt. Als verlöre sie jeden Augenblick ihre körperliche Präsenz, daß am Schluß lediglich noch die Gewandung Christine Dombrowskis bei mir am Fußboden herumlag, ihre Handtasche.
Bösartig zischte Christine Dombrowski irgendwas für mich Unverständliches, aber sicherlich Gemeines zu mir her, und ihre Gestalt war für mich sofort wieder manifester. Schlagartig nichts mehr von der Durchsichtigkeit von Christine Dombrowskis Gesicht und Beinen, daß ich schon die braune Türfläche dahinter blickte.
Schlimme Schauer liefen mir angesichts von Manuela Dombrowskis Schwester den Rücken hinauf und -unter.
Grob, daß Christine Dombrowski mich anschnauzte. (Will das hier in der Gesprächsform niedertippen, wie es mir in den Sinn kommt, daß sich Christine Dombrowski ungefähr anhörte.)
Christine Dombrowski: 'Mann, Bernd - fick dich! Fick dich!'
Ich blinzelte Christine Dombrowski an, hatte tolles Herzrasen.
Christine Dombrowski: 'Wirst du wohl aufhören mit deinem doofen Dazwischengaffen, Bernd, du Dreckssack! Fick dich, sag' ich.'
Jetzt war Christine Dombrowski mir endgültig wieder so körperlich stofflich, wie einem jeder Mensch in normaler Manifestation sein sollte.
Christine Dombrowski: 'Du kannst einen vielleicht so was von blöde angucken, Bernd. Nicht zu glauben. Solltest du dir patentieren lassen, was für 'n Doofglotzer du bist. Echt 'ne Wucht. Muß ich schon sagen. Hat schwer ein andrer, Bernd. Ich weiß, wovon ich rede.'
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