"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 330
8. Juni 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"
Versuchte, mich größer aufzubauen. Die Arme stemmte ich mir in die Hüften. Obwohl ich am liebsten zu Boden gegangen wäre; läppisch für eine tiefe Ohnmacht.
Christine Dombrowski: 'He, ein spitzenmäßiger Blick, Bernd. O ja! Hast du den neu? Kenn' den eigentlich nicht von früher von dir.'
Ich hustete, räusperte mich, weil mir ein Kloß im Hals den Atem raubte.
Christine Dombrowski: 'Bernd, Bernd, Bernd - tststs! Deine Augen, heute einfach die Scheiße. Hör doch auf! Immer nur so zu glotzen. Sonst bleibt's dir noch.'
Die Atmosphäre von davor zwischen Christine Dombrowski und mir, die war unwiederbringlich fort. Wäre gerne willentlich dorthin zurückgekommen; funktionierte jedoch nicht.
Christine Dombrowski: 'Gut denn, Bernd, Doofie! Bin zu dir gekommen, weil ich möchte, daß du mir was gibst, was du versehentlich gekriegt hast.'
Zu Christine Dombrowski hin schüttelte ich den Kopf; das war schon alles.
Mit dem Art knapp hautüberzogenen Knochenfinger - langer, angespitzter Fingernagel, mit schwarzer Nagellackfarbe bestrichen - deutete Christine Dombrowski auf die Fläche meines Niedertisches. Christine Dombrowski: 'Da ist das ja schon, was ich haben will, Bernd! Da liegt's ja schon für mich da! Das Foto da. Das Foto, das will ich wiederhaben. Will ich auf der Stelle zurück. He, Bernd, ich will's dir nicht einfach wegnehmen, stell dir vor. Ich geb' dir ein andres dafür. Sogar ein paar. Hab' ein paar in meiner Handtasche dabei, Bernd. Kannst du auch alle haben, wenn du's möchtest. Aber das da, das gibst du mir auf jeden Fall.'
Das Foto mit Manuela Dombrowski mit dem kupferfarbenen Haar, das mitten auf der Tischfläche beim Aschenbecher gelandet war. Dort herumlag. Weil ich bis vor kurzem nichts Genaueres von der unvermittelten Anwesenheit Christine Dombrowskis auf meiner Bude wußte, nicht von mir außer Sicht geräumt.
Christine Dombrowski: 'Das Foto will ich, Bernd. Das will ich zurück. Unbedingt. Kriegst dafür auch ein andres. Auch ein paar, wenn du viele haben möchtest. Das ganze Paket.'
Unzufrieden, daß ich Christine Dombrowski anguckte; der Adamsapfel ist mir gehüpft. Ich, nach einem Räusperer: 'Wenn ich nun kein andres haben möchte, Christine, was ist dann?'
Christine Dombrowski: 'Du wirst mir doch das eine Foto da geben können, Bernd. Ohne, daß es uns das ein Problem macht. Wenn ich sage, du kriegst dafür 'n andres. Sogar jede Menge andre. Wenn du meinst, du mußt so viele haben ...'
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