"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 348
15. Juni 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"
Marlene, so müßte man heißen. Einhundertprozentig, daß sie, Marlene, bei jedem Schönheitswettbewerb siegen könnte. Unvermittelt, daß ich nach Marlene greife, Marlene, die aufschreit, am Arm zu mir herziehe, auf die Bettkante.
Zwar wehrte Marlene sich gegen mich. Aber wegen meines süßlichen Gesäusels nicht so richtig. Vernünftig mit mir zu reden versuchte Marlene. Meinte, daß das, was ich hier täte, Folgen für mich haben könnte. Wenn sie, Marlene, es melde.
Ich wolle sie doch nur küssen, nur sie küssen, entfloh es mir. Einmal sie, Marlene, küssen. Dann noch mal sie küssen.
Den Mann auf dem Nebenbett höre ich sagen, ich solle die Krankenschwester in Ruhe lassen, wenn sie nichts von und mit mir möchte.
Ich küsse Marlene, die blondhaarige Schönheit. Auf die Wangen, Marlene. An den Lippen vorbei, Marlene. Marlene am Hals. Besonders der Hals, der es mir bei Marlene angetan hatte. Marlenes Hals.
Voll der Wahnsinn brach mir aus. Voll.
Ich schnappe über dem Kehlkopfs Marlenes mit den Zähnen zu. Nicht nur das, ich beiße richtig zu. Schlage am Hals bei Marlene meine Zähne rein.
Daß Marlene wie toll loskreischt, wild sich Marlene gegen mich wehrt. Ohne mir und meinem Griff zu entkommen.
Mein Zimmergenosse hatte den letzten Tag seiner Krebschemo. Sah relativ erholt von allem aus, was die Tage, Wochen zuvor bei ihm los war.
Aus seinem Bett, daß der Glatzköpfige rausmacht. Nicht etwa, um Marlene gegen mir beizustehen. Auf den Stationsflur ist er hinausgelaufen, Leute zu verständigen.
Zufällig befanden sich drei rotuniformierte Krankensanitäter und ein Stationsarzt weiter unten am Flur. Den Arzt und die Sanitäter hat der Aufgeregte herbeigeschrien.
Ohnehin hatten die vier Männer bereits Marlenes Gekreische mitgekriegt, sich gefragt, was da abginge. Jetzt zögerte wirklich keiner mehr, loszulaufen. Zu mir und Marlene, der Krankenhausschwester, daß sie hintereinander hereingestürzt kamen.
Fortgerissen wurde Marlene von mir, Marlene, die sich auf der Stelle schluchzend in die Arme des Oberarztes stürzte. Nicht viel aus dem Hals blutend.
Das kräftige Sanitäter-Trio überwältigte mich nach kurzem Kampf. Die Arme wurden mir hinten auf den Rücken gedreht. Auf dem Bauch lag ich quer über meinem Patientenbett, kriegte noch zwei, drei Arschtritte ab.
Trotzdem war ich nur kurz zu beruhigen. Alsbald führte ich mich wieder auf wie ein Tier. Ein wildes, ungehemmtes Tier.
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