"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 358
18. Juni 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"
Das Beste wäre es für mich, die Sache offensiv anzugehen. Indem ich offen darüber redete. Schämen müßte ich mich deswegen nicht. Ich würde es nicht glauben, was für Leute schon Selbstverstümmelungen an sich gemacht haben. Das gab es in allen Gesellschaftskreisen. Reich, arm, prominent, weniger prominent.
Dachte, jetzt geht es los. Bin gereizt vom Stuhl aufgestanden. Bis auf die Unterhose habe ich mich ausgezogen. Zu Doktor Entje gemeint, er könne sich meinen Körper ja mal ganz genau angucken, wenn er wolle. Welche Art von Kratzer, Schnittwunden er bei mir entdecken könnte, die auf solche Späße bei mir hinweisen, da wäre ich aber gespannt.
Tatsächlich, Doktor Entje läßt sich nicht lange bitten, ist von seinem Drehstuhl hoch auf die Beine. Meine Hände, Unterarme, Armbeugen und die Bauchpartie von mir, alles von Doktor Entje ausgiebig in Augenschein genommen. Einen scharfen Blick auf meinen Penis hat Doktor Entje auch geworfen.
Ein zufriedeneres Gesicht hat Doktor Entje deshalb danach nicht geschnitten. Vielmehr sich das Kinn hergerieben, gelabert, so Vampir-Sachen, wie ich sie dauernd anbringen möchte, das würde ich doch nicht in Echt annehmen, daß die mir einer länger glaubt. Langsam sollte ich eine andere Platte auflegen.
Auch bei meiner Mutti daheim hat Doktor Entje vom Meinhardt-Sanatorium öfters angerufen, Mutti mit Befragungen belästigt.
Vater meinte zu Doktor Entje, daß er, Vater, das schon immer gewußt hätte, daß er einen Verrückten als Sohn hätte.
So schaut es aus.
Daß ich eingeliefert worden bin, das hat Betsy mitbekommen, Betsy, die mittlerweile mit der Broker-Karlie-Geschichte abgeschlossen hat. Einen neuen Freund hat Betsy, Manfred. Immobilie-Manni. Kohle-Sack.
Ein echter Scheißdreck ist das, daß ich bei Betsy daheim angerufen, und Betsy alles, was bei mir abging, genau mitkriegen mußte. Weil Angelika wegen mir rumflennte. Nach einigem Hin und Her hat Angelika Betsy die Problematik mit mir so ausgiebig auseinandergesetzt wie mit keiner anderen ihrer Freundinnen zuvor.
Betsy weiß wirklich so gut wie alles von meiner Geschichte. Und Betsy, das ist eine. Wenn man der irgendwas erzählt, hätte man es am Schluß auch allen erzählen können.
Daher kommen auch die Probleme Angelikas heute, Angelika, die um neun Uhr gerne - wie samstags üblich - ins Molto aufgebrochen wäre. Mit mir zusammen.
Davor scheut Angelika jedoch zurück.
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