Overblog Alle Blogs Top-Blogs Literatur, Comics & Gedichte
Edit post Folge diesem Blog Administration + Create my blog
MENU
Werbung
Blog von TeddeMehr

"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach: 370

22. Juni 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"

Die Knie zitterten mir; vor Schwäche drohte ich, auf den gefliesten Fußboden herabzurutschen.

Was für ein Schreck erfüllte mich! Was heißt Schreck? Der reinste Horror war das, der mich im Griff hatte.

 

Ich konnte es nicht fassen.

Hilflos habe ich hingeschaut und beobachtet, daß die Dame mit der kupferrotfarbenen Kopfbehaarung Anstalten machte, sich von Angelika zu verabschieden.

Eine goldumrandete Sonnenbrille setzte die sich auf. Um danach in der Menge der Theaterbesucher abzutauchen, als hätte es sie nie gegeben.

SIE, Manuela Dombrowski!

Manu war Manuela Dombrowski!

Einwandfrei hatte ich SIE, Manuela Dombrowski, erkannt.

Manuela Dombrowski, die wieder mal nicht in ihrem Grab am Gnaden-Friedhof drinnen lag. Auf Reisen war Manuela Dombrowski sogar statt dessen gegangen. Hunderte von Kilometer, die Manuela Dombrowski von dem Ort trennten, in dem SIE als Manuela Dombrowski eigentlich unter der Erde in einem Sarg liegen sollte.

Tatsache, SIE, Manuela Dombrowski, SIE war in der Gegend herumgereist! In meiner unmittelbaren Umgebung war SIE angekommen.

Warum SIE mich nicht unverzüglich kannte, trotz meines veränderten Äußeren ...?

 

Wahnsinn.

Angelika hat sich nach mir umgeschaut, und ich habe mich von der Mauer abgestoßen, bin zu Angelika hingetaumelt, Angelika, die mir lächelnd entgegenblickte.

Ob mir schlecht wäre, fragt Angelika mich; ein aschfahles Gesicht hätte ich auf, echt wahr.

Ich nickte mit dem Kopf.

Hätte Pech gehabt, meinte Angelika weiter zu mir. Eben hätte ich Manu verpaßt, ihre, Angelikas, neue Freundin. Manu hätte auch eine Eintrittskarte. Nur, daß Manu sich die ihrige selber gekauft hätte. Während ich und sie, Angelika, wir die unsrige geschenkt gekriegt hätten, hätte Manu für ihre Karte bezahlt. Haha!

Deswegen müßte ich jetzt wirklich nicht dauernd daherglotzen wie jemand, der Gespenster gesehen hätte. Voll bleich, meine Wangen, wie die eines Untoten. Haha! Wer wäre mir denn begegnet? Wieder mal ein Toter von unter dem Grabhügel? Menschenskind, Bernd, es ist doch keiner gestorben!

 

Das stimmte. Gestorben war noch keiner. Wir lebten beide, Angelika und ich.

 

 

 

 

370

Werbung
Diesen Post teilen
Repost0
Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post