"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 371
23. Juni 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"
Die einzige, die tatsächlich tot sein sollte, die lief auf zwei Beinen fröhlich durch die Landschaft, daß es nicht zu glauben war. Daß es Fragen aufwarf. Mit Namen hieß sie Manuela Dombrowski, hatte kupferrotgefärbte Haare.
Und wenn das kein Problem war, wußte ich nicht, was ein Problem war.
Unverzüglich nach Hause zu flüchten, das schien mir nicht angesagt. Weil das Unglück überall lauern konnte.
Zumindest waren Angelika und ich mitten unter Leuten.
Auf das Klo bin ich gezwungenermaßen hinuntergestürzt, ohne daß sich jemand mir konfrontiert hätte.
Mit Papiertaschentüchern habe ich an meiner Hose herumgetupft. Dann habe ich zusammengeknüllte Papiertaschentücher in klares Kloschüsselwasser getaucht, damit nochmals an meiner Anzughose getupft.
Tüchtig habe ich mich mit dem Parfüm eingestäubt, das ich von Angelika verlangt hatte, daß Angelika es mir aus ihrer Handtasche herausholt und mir gibt.
Oben, zurück bei Angelika, habe ich meilenweit nach Angelikas Parfüm gestunken. Als wäre das ganze Parfümgläschen auf mir und meinem Nadelstreifenanzug zerbrochen.
Von der Theatervorstellung im Loewen-Theater habe ich im Anschluß daran nicht viel bewußt mitgekriegt. War auf meinem Sitzplatz an der Seite Angelikas wie in fortgesetzter Trance.
In den viertelstündigen Pausen des Schiller-Stückes habe ich im Loewen-Theater ängstlich jede Sekunde das Erscheinen Manuela Dombrowskis erwartet. Daß die noch mal nach Angelika sucht, zu Angelika dazutritt.
Einzig und alleine, nichts ist geschehen, keine Manuela Dombrowski für Angelika und mich weit und breit.
Ständig kreiste mein Denken bloß um eine Frage: Manuela Dombrowski, die müßte doch zuoberst nach mir Ausschau halten. Nach niemandem sonst. Weil Manuela mit mir bekannt war.
Warum traf Manuela Dombrowski dann nicht mich, sondern begegnete Manuela Dombrowski Angelika, exklusiv Angelika?
Im Gunde genommen, daß Angelika jeder Bezug zu Manuela Dombrowski abging. Davon abgesehen, daß Angelika meine Freundin war. Auf dem Foto, dem Manuelas mit dem kupferrotem Haar, hatte Angelika Manuela Dombrowski einmal gesehen, als Angelika mir das vom Läppie gelöscht hatte. Äußerst flüchtig. Ansonsten hätte Angelika lange etwas in der Art zu mir sagen können, daß Manu ihr bekannt vorkäme, und ich hätte Angelika heute einfacher darauf ansprechen können, Angelika fragen, warum sie Manuela Dombrowski nicht kenne. Manu, das wäre Manuela Dombrowski.
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