"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 406
5. Juli 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"
Frage ich Angelika, was ihr fehlen würde. Ob ich einen Arzt für sie rufen sollte.
Begibt Angelika sich ruckartig in die Sitzposition, faucht mir her, sie, sie bräuchte keinen Arzt. Ich, Bernd, ich wäre der, der einen Arzt bräuchte. Es sei nichts mit ihr, Angelika, um sie müßte sich kein Mensch Sorgen machen. Rufe ich den Notarzt, rufe sie, Angelika, im Meinhardt-Sanatorium an. Daß die vom Pflegepersonal kommen, mich wieder mal abzuholen. Wäre vielleicht überhaupt nicht das schlechteste, wäre sie, Angelika, mich los, könnte mich im Meinhardt-Sanatorium sitzen lassen, solange sie das wolle. Am besten, bis ich zu schimmeln anfange.
Dann war endlich Aufstehenszeit. Angelika schleppte sich ins Badezimmer. Totenbleich im Gesicht.
Am rechten Arm lief Angelika unter der Achsel Blut. Als hätte Angelika sich dort frisch aufgekratzt.
Hinterher ins Bad wollte ich, hat Angelika sich gegen die Badezimmertüre geworfen, mir schnell abgesperrt.
Seltsam, mir war, ich hätte Angelikas Blut riechen können. In mir war die Lust, mir die blutende Stelle bei Angelika genauer anzusehen. Ob Angelika das wollte oder nicht.
Die Badezimmertüre war jedoch zu, daß ich das Verlangen nicht in die Tat umsetzen konnte. Dazu hätte ich wirklich die Türe einschlagen müssen.
Als Angelika aus dem Bad herauskam, hatte ich mich so weit abgeregt.
An Angelika vorüber bin ich ins Badezimmer.
Zuerst beschaute ich mir die Stellen über dem Kehlkopf, die Art Bißabdrücke, die irgendwie voll gerötet waren. Als bekäme ich dort eine Infektion.
Ganz vorsichtig habe ich den Elektrorasierer angesetzt, wenn ich mit dem Gerät drübermachte.
Die tiefen Rötungen waren mir unbegreiflich.
Blutleer habe ich im Gesicht ausgesehen, ähnlich der Bleiche, die ich bei Angelika gesehen hatte. Dachte, ich sollte mich beim Doktor für eine stärkende Infusion anhängen lassen; eventuell käme mir die Farbe wieder.
Plötzlich entdeckte ich am Fliesenboden etwas Kleines, Kreisförmiges.
Ein Blutstropfen Angelikas. Den Angelika nicht weggewischt hatte.
Hinab bückte ich mich, wischte mit dem Finger darüber, steckte den mir in den Mund ...
Ein voll ekelhaftes Treiben von mir, dem ich allerdings Genuß abgewann.
Nachdem ich aus dem Badezimmer kam, war Angelika nirgends mehr in der Wohnung vorzufinden.
Beeilt hatte Angelika sich, sich anzuziehen, ihren Bürokoffer zu greifen, um leise zur Wohnungstüre hinauszuschleichen, hinter sich zuzumachen.
Wahrscheinlich kaufte Angelika sich ihr Frühstück im Café Lenz. Oder auch nicht. Ich jedenfalls, ich habe Angelika nicht lange hinterhergemacht. Für was auch immer.
406
Newsletter
Gib Deine E-Mail-Adresse ein, um bei zukünftigen Artikeln benachrichtigt zu werden.
Seiten
Kategorien
- 768 "Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"
- 374 mehr meilen
- 370 Kurzware
- 368 "Drei Erwachen"
- 360 hug it
- 352 allerlei
- 325 Kurzware II
- 315 kleine Szenen
- 310 Kleinteile
- 304 rundgehen
- 223 "Die Augenzeugin"
- 167 nach dem Tritt
- 152 dreimal erwachen
- 93 T-Rixi
- 57 K.K.
- 39 miles
- 22 Jäger des nächsten Textes
- 16 Kurzgeschichte