"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 407
5. Juli 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"
Statt dessen konnte ich auf meinem Zimmer dem Verlangen nicht widerstehen, das Ökologie-Lexikon aufzuklappen, um das EINE Foto auf ein neues hervorzublättern und zu betrachten.
Was ich auf der Fotografie blickte, hat mich ein weiteresmal vollends an meinem Verstand zweifeln lassen.
Das Foto war nichts mehr als das Foto einer Blümchenwiese.
Keine Manuela und Christine Dombrowski mehr. Kein Fransen, den ich gestern noch auf dem Fotowerk abgebildet gesehen hatte. Sowohl Manuela und Christine Dombrowski als auch Fransen hatten die Wiesenszene verlassen. Waren außer Sicht verschwunden.
Das Foto war weiter existent, das heißt, der am Fotoapparat ...
Es war nicht zu begreifen. Meinem geistigen Horizont überstieg es. Ich fühlte in mir einen fundamentalen Schrecken. Der Schweiß ist mir nur so von der Stirn heruntergelaufen. Im Zimmer bin ich auf und ab getigert. Zurück an den Schreibtisch, das Foto anzusehen, das eine Blumenwiese zeigte, sonst nichts.
Draußen am Flur fiel mir unvermittelt ins Auge, daß der Wiesenblumenstrauß ein wenig verwelkt am Boden herumlag. Angelika mußte den Strauß vor ihrem Abgang aus der Wohnlichkeit zornig auf den Flurboden heruntergewischt haben.
Der Spazierstock mit der unheimlichen Drachenkopfbronze am Knauf, der befand sich weiter im Regenschirmständer. Angelika hatte den Metallstock also nicht mit sich genommen.
Herausgezogen habe ich das gute Stück zwischen den Regenschirmen. Begonnen, den lebendig wirkenden, dreifach behörnten Drachenkopf anzustarren.
Je länger ich starrte, um so dringender wurde in mir das Gefühl, daß sich mir was nähere.
Tatsächlich, ich konnte mich von dem Anblick losreißen.
Bei einer Art Bewußtwerdung entdeckte ich mich, konstatierte, daß ich am Wohnzimmersofa herumlag. Den Metallstock mit dem dreigehörnten Biest, das das blutige Maul weit aufriß, hielt ich mit beiden Armen über mir.
Den ekelhaften Stock warf ich von mir. Mit dumpfem Geräusch landete er am Teppich.
Auf der Digitaluhr an der Wand sah ich, daß es dreiviertel zehn war. Mein Schlafshirt hatte ich nicht mehr an, überschaute bei mir die nackte linke Brust. Nahe der Brustwarze auf Herzhöhe war meine Haut blutig.
Mit dem Papiertaschentuch wischte ich mir die kleine Blutsoße fort.
Es sah aus, als hätte da etwas zart bei mir reingebissen. Tief genug, daß ich zu bluten anfing.
Die Drachenzähne der Bronzeplastik am Stockknauf? Da war mir was lebendig geworden?
Das war horrormäßig.
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