"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 408
5. Juli 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"
Obwohl ich mich ziemlich matt fühlte, habe ich mich aufgerafft. In der Küche habe ich mir ein Heftpflaster besorgt, mir das Pflaster auf meine Brustwunde geklebt.
Im Anschluß daran machte ich mich daran, mich stadtfein anzukleiden. Jeans, Shirt, Socken, Schuhe. Schwarzes Anzugsjackett, Phon in die rechte Seitentasche geschoben, falls auf dem Gerät etwas mit Angelika losging. Geldbeutel mit Ausweis steckte ich mir links innen in die Brusttasche meines Jacketts.
Den Spazierstock Fransens habe ich wieder hochgenommen. Das Teil schien mir zu nackt. Habe ich es schnell mit Zeitungspapier umwickelt, Klebeband drumrum gezogen, bis alles paßte.
Dann bin ich zur Wohnungstüre hinaus, habe hinter mir zugesperrt. Die Stiege bin ich hinunter, ohne daß mir eine irgendwie geartete Gestalt in den Weg getreten wäre, die etwas gegen meine Beinfreiheit gehabt hätte.
Ich hatte einen Gedanken, was ich tun sollte. Und anscheinend war ich in der Lage, meine Absicht in die Tat umzusetzen.
Die Adresse hatte ich aus dem Telefonbuch. Gelbe Seiten.
Pfand Stifter.
In der Waidmannsstraße. Waidmannsstraße 6.
Wo die Waidmannsstraße war, wußte ich.
Hatte ich schon mal gehabt, die Waidmannsstraße, als Angelika der Absatz eines Vier-Riesen-Nobelschühchens kaputtging. In der Lindenstraße, den Schuhmacher habe ich mit dem Nobelschuh Angelikas aufgesucht. Schuhwerk Sost. Mir gleichzeitig bei Schuhwerk Sost für ein eigenes Paar maßgefertigter Schuhe die Füße Maß nehmen lassen.
Die Waidmannsstraße war eine Parallelstraße der Lindenstraße.
Zu Pfand Stifter bin ich mit der von mir mit Zeitungspapier umwickelten Gehhilfe Fransens rein. So halb zwölf Uhr am Vormittag war es.
Bei Pfand Stifter war nur ein Mann vor mir, der verlängerte sein Zeug. Jede Menge Familienschmuck hatte der bei Pfand Stifter liegen. Das brauchte Zeit, daß ich mir fast schon dachte, ich müßte nachmittags bei Pfand Stifter nochmals vorbeischauen.
Schließlich war ich der nächste, präsentierte den vom Papier befreiten metallenen Spazierstock. Das Teil da, das wollte ich versetzen.
Angesehen hat der Mann - der ein Metallschildchen an der Hemdbrust befestigt hatte, Herr Meierl hieß -, sich das Metalldings, dabei die Stirn gerunzelt.
Sagte ich zu Herrn Meierl, daß mir ein Fünfer auch schon genügen würde. Könnte ich mir im Schnellimbiß in der Nähe einen Hamburger kaufen mit.
408
Newsletter
Gib Deine E-Mail-Adresse ein, um bei zukünftigen Artikeln benachrichtigt zu werden.
Seiten
Kategorien
- 768 "Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"
- 374 mehr meilen
- 370 Kurzware
- 368 "Drei Erwachen"
- 360 hug it
- 352 allerlei
- 325 Kurzware II
- 315 kleine Szenen
- 310 Kleinteile
- 304 rundgehen
- 223 "Die Augenzeugin"
- 167 nach dem Tritt
- 152 dreimal erwachen
- 93 T-Rixi
- 57 K.K.
- 39 miles
- 22 Jäger des nächsten Textes
- 16 Kurzgeschichte