Overblog Alle Blogs Top-Blogs Literatur, Comics & Gedichte
Edit post Folge diesem Blog Administration + Create my blog
MENU
Werbung
Blog von TeddeMehr

"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 409

6. Juli 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"

Herr Meierl hatte vor allem den Stockknauf mit dem dreibehörnten Drachen, der sein Maul weit aufriß - dabei plastisch ziemlich wirkte, als könnte das Vieh jede Sekunde zum Leben erwachen -, im Auge.

Einhundertundzwanzig Eier, die er mir geben würde, meinte Herr Meierl, schürzte die Lippen, als könnte ich auf Ansage eine weitaus größere Geldsumme von ihm kriegen.

Tatsache, Herr Meierl war der Mann, er mußte sich auskennen, den Wert verschiedenster Arten von Geh- und Spazierstöcken einzuschätzen wissen. Ich zuckte die Schulter, gab zurück, daß mir dreißig aus dem Karton auch reichen würden.

Meine Identifikationskarte wollte Herr Meierl sehen. Natürlich, daß ich Herrn Meierl die hinreichte.

Dann klärte Herr Meierl mich über die Modalitäten der Leihe auf.

Auf einen Zettel hinten schrieb Herr Meierl mir die Daten. Abholen, jederzeit, Leihbetrag und Gebühr bezahlen. Würde der Spazierstock bis Ende der Leihfrist nicht von mir abgeholt, müßte ich pünktlich im Tagesverlauf des dreizehnten Oktobers, eines Montags, erscheinen. An diesem Tag würde verlängert, ansonsten an keinem. Meinen Ausweis müßte ich dabeihaben. Käme ich am dreizehnten Oktober nicht, müßte ich mir dessen gewärtig sein, daß nach diesem Datum die Möglichkeit bestünde, daß der von mir an Pfand Stifter weitergegebene Gegenstand bereits auf der nächsten Versteigerung präsentiert werden könnte. Je nachdem; eine Auktion konnte sogar noch am dreizehnten Oktober abends sein.

Stramme Regeln, mit denen ich voll einverstanden war. Bei Pfand Stifter unterschrieb ich den Wisch, nahm die Gebrauchsanweisung, meinen Pfandleihebon, den ich gut verwahren sollte, und die drei mir hingezählten Zehner an mich.

Ich verabschiedete mich freundlich von Herrn Meierl, verließ das Innere von Pfand Stifter.

 

Nach Pfand Stifter habe ich mich eineinhalb Stunden in den Schnellimbiß in der Nähe von Pfand Stifter gehockt. Das große Menü hatte ich, würgte etwas davon in mich hinein, obwohl mir jeder Appetit abging.

Dann bin ich in den Straßen der Stadt herumspaziert, wälzte in Gedanken ein paar Fragestellungen; ich war mir überhaupt nicht sicher, ob ich wieder in die Wohnung Angelikas zurückkehren sollte. Andererseits: Wollte ich bei Angelika den Abgang machen, verschwand ich, stand zu befürchten, daß Polizei sich auf die Suche nach mir machte, ich daraufhin für mein abschiedsloses Verschwinden mit einem Aufenthalt im Meinhardt-Sanatorium oder woanders zahlte.

Diesesmal, ohne daß Angelika es eilig damit hatte, sich bei der Sanatoriumsleitung für mich einzusetzen, um mich zurück in ihre Privatwohnung zu holen.

 

 

 

 

409

Werbung
Diesen Post teilen
Repost0
Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post