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Blog von TeddeMehr

"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 482

7. August 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"

Kurzentschlossen drückte Frau Benglisch die Türklinke runter, öffnete die Türe, betätigte den Lichtsschalter.

Das, was Frau Benglisch im Lichtschein sah, brachte Frau Benglisch zum Kreischen.

Eine alte Frau stand über das Bett ihrer Tochter Gina gebeugt. Gina, die die glasigen Augen weit offen zu der Frau hinaufstarrte und keinen Muckser machte.

Die Alte, die kannte Frau Benglisch auf der Stelle. Einmal hatte sie, Frau Benglisch, SIE gesehen, die alte Hemmkarg. Als die alte Hemmkarg unten im Erdgeschoß ihren Briefkasten aufsperrte.

Jetzt kenne sie die alten Hemmkarg, die mit ihrem Mann den ganzen vierten Stock bewohnen durfte, hatte Frau Müller, die Nachbarin gemeint, als Frau Benglisch wieder mit ihr den Aufzug hochgefahren wäre.

Und das dort, das war SIE, ganz eindeutig, die alte Hemmkarg. Die alte Hemmkarg, die sich über ihre Tochter Gina drübergebeugt hatte.

Die alte Frau Hemmkarg wandte sich Frau Benglisch grinsend zu, sagte zu Frau Benglisch, was für eine süße Tochter sie doch hätte; so ein süßes Mädchen. So ein süßes Mädchen hätte sie, Frau Hemmkarg, selber gerne geboren; wäre ihr jedoch nicht gegeben gewesen, so ein süßes Mädchen zu bekommen. So ein süßes Mädchen hätte sie gewollt; ihr Sonnenschein wäre das süße Ding geworden. Zu jeder Zeit könnte das süße Ding zu ihr, Frau Hemmkarg, und ihrem Mann hochkommen, zum Spielen. 

Frau Benglisch fröstelte es, Frau Benglisch spürte die Kälte, die Kälte, weil das Fenster des Kinderzimmer Ginas sperrangelweit in der kalten Nacht sperrangelweit offenstand. Nach ihrem Ehemann Erhard kreischte Frau Benglisch, er solle sofort zu Gina ins Zimmer kommen; bei Gina im Zimmer wäre eine Frau.

Als Frau Benglischs Ehemann Ginas Kinderzimmer stürmte, türmte die alte Frau. Auf flinken Füßen war die Frau am offenen Fenster, kletterte behende und unverstellbar schnell auf das Fensterbrett, sich aus dem Fenster schwang. Um nach der Seite zu verschwinden. Schwer zu sagen, ob die alte Frau Hemmkarg ein Seil gefaßt hatte.

Als Frau Benglisch vor ihrem Ehemann zum Fenster stürzte, war draußen zwischen den finsteren Schatten nichts mehr von irgend jemanden auszumachen, der sich bewegt hätte, die Wand hochzuklettern. Wie auch immer.

Tochter Gina hatte eine kleine Taschenlampe, mit der Ginas Vater Erhard dann in alle Richtungen die Hausfassade ableuchtete. Nichts und niemand zu sehen.

Gina, die Siebenjährige, die mittlerweile aus ihrer Erstarrung zu sich gekommen war, schluchzte in den Armen ihrer Mutter. 

 

 

 

 

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