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Blog von TeddeMehr

"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 483

8. August 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"

Mit dem Mobiltelefon ihrer Tochter Gina rief Frau Benglisch die Polizei. Knapp fünf Minuten, daß die Polizisten brauchten, um einzutreffen.

 

Die Polizeiuniformierten glaubten Herrn und Frau Benglisch ihre Geschichte nicht, schauten skeptisch, Herr Doktor Weil-Esch. Und Gina, die Tochter der Benglischs, blieb gegenüber den Beamten verschlossen, einsilbig. Beinahe, als wäre Gina trotzig; als hätte Gina ein neues Spielzeug nicht bekommen, kommentierte Mutti Benglisch es.

Trotzalledem begaben sich die Männer der Polizeigruppenstreife in Begleitung des Ehepaares Benglisch in den vierten Stock hinauf, klingelten bei Herrn und Frau Hemmkarg an der Türe.

Herr Hemmkarg öffnete den Polizeibeamten in einem edel wirkenden, purpurnen, mit goldenen Sternen verzierten Nachtmantel die Wohnungstüre. Ohne viel Firlefanz war Herr Hemmkarg bereit, die Polizisten zu sich in die überheizte Wohnung einzulassen.

Die Polizeibeamten meinten zu Herrn und Frau Benglisch, als sie wieder bei den alten Hemmkargs zur Türe herauskamen, daß Herr und Frau Hemmkarg wirklich sehr alte Leute waren. Sehr, sehr alt und gebrechlich. Aus dem Bett wäre die alte Frau Hemmkarg aufgestanden, von ihrem Ehemann herbeigerufen. Im weißen Nachthemd und mit weißem Kopftuch wäre Frau Hemmkarg im Wohnzimmer der Hemmkargs auf Krücken taumelig auf bloßen Füßen vor den Männern von der Polizei erschienen.

In der Wohnung des Ehepaar Benglischs zurück, wies Frau Benglisch den Anwurf der Polizeibeamten von sich, sie und ihr Ehemann Erhard hätten sich die Gegenwart der alten Frau Hemmkarg nur eingebildet. Ein Hirngespinst.

Tochter Gina war leider bei der Sache keine große Hilfe. Tochter Gina heulte rum, wollte nicht mitteilen, warum sie den Rolladen hochgezogen und bei der Kälte das Fenster weit geöffnet hätte. Als Gina deutlich gefragt wurde, ob sie, Gina, die alte Frau Hemmkarg bei sich im Zimmer und über sich gebeugt stehen gesehen hatte, schrie Gina auf, schüttelte nur unablässig den Kopf.

Schließlich gingen die Streifenpolizisten. Nicht ohne vorher informiert zu haben, daß nicht jeder die Polizei einfach so rufen könnte. Stellten Beamte vor Ort nichts fest, daß man sie unbedingt hätte herbeirufen müssen, konnte das als grober Unfug ausgelegt werden. Zumindest könnte ihnen, den Benglischs, die folgenden Tage eine Rechnung für den Polizeieinsatz ins Haus flattern.

Gina hat die restliche Nacht im Schlafzimmer von Vati und Mutti Benglisch verbracht. Am Morgen war Gina immer noch ein verwirrtes, bockiges Kleinkind, das bei jeder Kleinigkeit herumflennte.

 

 

 

 

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