"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 536
27. August 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"
Detektei Umschau: Da war Gaby aber ziemlich gesund, oder? Wann fing es an, daß Gaby wieder körperlich abbaute? Ab wann ging es Gaby wieder schlechter?
Frau Ramona Gleibt: Gegen Ende November kündigte es sich an.
Detektei Umschau: Wie kündigte sich das an?
Frau Ramona Gleibt: Ende November war ich am Montagnachmittag gegen siebzehn Uhr von der Schule nach Hause gekommen. Hatte Hausaufgabenhilfe, in Mathe mußten mir ein paar Dinge noch mal erklärt werden. Sonja und Gaby waren bereits daheim. Mutti befand sich bei Vati im Ladengeschäft, hatte angerufen, daß sie erst nach sechs Uhr heimkäme. Hätten Gaby, Sonja und ich nicht zu großen Hunger, sollten wir warten, Mutti würde Pastagerichte mit nach Hause mitbringen. Sonja sagt mir das von Mutti, Sonja geht wieder zu sich aufs Zimmer, für ihre Spielekonsole. Am Flurgang bin ich unentschlossen herumgestanden. Habe überlegt, mir eine Stulle zu streichen, Brot oder Baguette? Da öffnet sich mir gegenüber die Türe von Gabys Zimmer. Grinsend schaut bei sich heraus, hält die Zimmertüre mit einer Hand. Gaby: 'He, Mona, große Schwester. Wie war denn die Schule heute?' Ich schaue Gaby bloß an. Gaby: 'Wo bleiben denn bei dir eigentlich die Stecher, Mona? Wofür hast du eigentlich immer die Kondome in deiner Handtasche dabei?' Ich: 'Was willst du von mir, Gaby?' Gaby: 'Na, hör mal, Mona. Kann mich überhaupt nicht mehr dran erinnern, wann du das letztemal einen Freund gehabt hast. Will sich keiner mehr in die arme Mona verlieben?' Ich: 'Kümmer dich da besser selber um was. Wo sind denn deine ganzen Liebhaber? Hast du zur Zeit überhaupt Freundinnen? Habe niemand gesehen, den du in der letzten Zeit mit nach Hause mitgebracht hättest. Pah!' Gaby: 'Hör mal, Mona, große Schwester, ich sag dir mal was.' Ich: 'Und - was sagst du mir? Spuck's aus, was du mir zu sagen hast.' Gaby: 'Haha, Mona! Weißt du, mit wem ich simse?' Ich: 'Nö. Interessiert mich auch nicht, Gaby, mit welchem Sänger, Schauspieler ... Ich glaub eh, es ist besser, ich geh jetzt auf mein Zimmer ...' Gaby: 'Mit IHM. Mit IHM simse ich. Du weiß schon, Gaby, mit IHM. Mit IHM. Und weißt du, was ER mir geschrieben hat, Mona?' Ich zuckte die Schulter. Gaby: 'Daß ER kommt. ER kommt zu mir, Gaby. Ich fehle IHM. Total fehle ich IHM. Aber jetzt, jetzt kommt ER. Mich besuchen. ER kommt hierher in die Stadt, Mona. Morgen, übermorgen, die nächsten Tage. Er schreibt mir, wo ER gerade ist. Wie lange es noch dauert. Ich muß nicht auf nächstes Jahr warten, Mona, IHN wiederzusehen. ER kommt. Zu mir, Mona. Zu mir. Und nicht zu dir, Mona.' Ich sage: 'Tickst du noch richtig im Kopf, Gaby? Laß dich mal im Kopf untersuchen, Gaby ...' Gaby: 'O ja, Mona. Kannst du mir ruhig glauben, daß ER die nächsten Tage kommt. Morgen, übermorgen. Wenn ER sagt, ER kommt, kommt ER. Und ER kommt nur zu mir, Mona. Nur zu mir. Sicher nicht zu dir. Sicher nicht.' Mir war es zu blöde. Ich habe mich abgewandt, habe mein Zimmer aufgesperrt, während Gaby gemein lacht. Hinter mir habe ich zugemacht, abgesperrt, und es war Ruhe.
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