"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 543
30. August 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"
Frau Ramona Gleibt: Gaby und ich waren mal wieder zu zweit miteinander alleine am Flur. Standen uns gegenüber. Die Tage vorher, passierte so was, habe ich Gaby reden lassen. Diesesmal aber, ausgerechnet an diesem frühen Abend ... Gaby hat angefangen, mich zu verspotten. Ihren Spott hat Gaby über mich ausgeschüttet. Gaby: 'Ich weiß, Mona, daß du das gerne hättest, was ich habe.' Ich: 'Was hätte ich denn gerne, was du hast, Gaby?' Gaby: 'Doch, doch, Mona. Das weiß ich doch, wie du bist. Du bist die, die das am liebsten hat, was andere haben. Und ich weiß, daß du das gerne hättest, was ich habe. So bist du einfach, Mona, große Schwester. Du willst, was andere haben. Wenn du nicht bekommen kannst, was andere haben, bist du nicht glücklich.' Ich: 'Was du nicht sagst, Gaby. Was hätte ich denn gerne, was du hast?' Gaby: IHN! Ah, stimmt doch, Mona? Stimmt doch, Mona, große Schwester? Ich kenne dich doch. Kenne dich. Ganz genau kenne ich dich. Du liegst auf deinem Zimmer in deinem Bett, spielst an dir rum, stellst dir vor, wie ER zu dir kommt, dich am Hals küßt, an dir knabbert. Dich mit Haut und Haaren nimmt, wie du da in deinem Bett liegst. Und wie du das gerne hättest!. Und wenn ER dann nur noch zu dir käme, zu dir alleine ...' Ich: 'Du mußt es ja wissen, Gaby. Genau wissen. Wenn's dich glücklich macht ... Ist mir egal. Ach, Gaby, geh mir weg. Aus dem Weg.' Gaby: 'Nein! Warum denn? Alleine schon deswegen, weil ich IHN habe, willst du IHN, Mona. Du kannst dir das überhaupt nicht vorstellen, wie ich das weiß. Wie ich weiß, wie nötig du IHN hättest. So, so nötig. Du wünscht dir das, daß ER sich auf die legt. Dich ... Dich ... Aber nur, leider, ER kommt nicht. ER kommt nicht. Weil ER zu mir kommt. Weil ich IHN habe. Weil ich bei IHM an erster Stelle stehe. Ich bin die, SEINE Nummer eins.' Ich: 'Weißt du das ganz bestimmt, Gaby? Bist du dir da wirklich sicher?' Gaby: 'Klar bin ich mir das sicher.' Ich: 'Weiß nicht, Gaby. Was ist denn die letzten paar Tage bei dir los? Du kommst immer schon nachmittags aus der Schule heim. Bist daheim, bleibst daheim. Weiß nichts, daß du die letzten Tage gesagt hättest, daß du nach der Schule zu einer Freundin gehst. Um dann IHN zu treffen. Wo ist ER denn im Augenblick?' Gaby: 'ER mußte mal woandershin. ER ist momentan nicht in der Stadt.' Ich: 'Bist du dir da ganz sicher, Gaby?' Gaby: 'Natürlich bin ich mir das sicher. Warum sollte ich mir das nicht sicher sein?' Voll von oben herab starrt Gaby mich an. Ich sage zu Gaby: 'Na schön, Gaby. Du sagst immer zu mir, daß du die einzige bist. Die einzige bei IHM. Du denkst also, ER ist nicht in der Stadt. Daß du das weißt, ER ist in der Stadt. Und weißt du, wo ER ist? Gegenüber von meinem Fenster steht ER schon am Abend rum. Ich frage mich nämlich die ganze Zeit, was ER da eigentlich macht, meinem Fenster gegenüber. Wenn ich ans Fenster trete, weißt du, Gaby, sehe ich IHN. Sobald ich ans Fenster trete, kommt ER aus dem Dunkeln raus. Damit ich IHN ja ganz genau sehe, stellt ER sich in den Lampenschein. Zu mir winkt ER herauf. Was ER von mir möchte, weißt du was davon, Gaby, was er von mir möchte?'
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