"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 546
31. August 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"
Frau Ramona Gleibt: Darüber habe ich die Tage damals auch nachgedacht. Gaby und ich sind uns wieder mal am Flur gegenübergestanden. Keiner weit und breit, nur Gaby und ich. Gaby gegenüber habe ich versucht, mich trotzig, ungerührt zu geben. Etwas, was ich überhaupt nicht war. Eher, daß ich zu der Zeit viel geweint habe, ständig traurig war. Nur Gaby, der wollte ich das nun wirklich nicht zeigen. Meinte ich also kühl zu Gaby: 'He, Gaby, lange nicht mehr zu Mutti gesagt, daß du nach der Schule zu einer Freundin gehst. Ist nichts, derzeit? Wo ist ER denn?' Gaby: 'Wie du daherredest ... Dir geht's wohl immer noch gut, Mona, was. Glaub's nicht. Dachte, du heulst in deinem Bettchen die Kissen voll. Habe ich dich nicht gestern schluchzen gehört? Was hast du in der Küche zu Mutti gesagt? Na, du und Mutti in der Küche ... Habe ich das richtig verstanden, was ich gehört habe - du willst ausziehen? Und das wegen mir. Wegen mir, deiner Schwester Gaby, willst bei deinen Eltern ausziehen. Ich würde dir was antun wollen, Mona, sagst du zu Mutti ... Du fürchtest, ich würde dir bald ... Ts! Ts! Das muß ich zufällig hören, daß du das zu Mutti sagst, Mona ... Und jetzt stellst du dich hier vor mir hin, Mona, reißt bei mir das Maul auf. Daß ich es nicht glaube. Du sagst was zu mir. Echt wahr, du traust dich, was zu mir zu sagen, Mona ...' Ich: 'Das wird schon noch passieren, Gaby, daß du einen Fehler machst. Darauf warte ich. Daß dir deine Maske vom Gesicht fliegt. Daß Vati und Mutti irgendwann die Wahrheit sehen ...' Gaby lacht mich aus. Gaby: 'Mensch, bist du spaßig, Mona.' Ich: 'Gut. Mache ich dir eben Spaß. Was soll's? Geh zur Seite, daß ich auf mein Zimmer gehen kann.' Gaby: 'Du findest einfach keinen Freund, Mona. Keinen, zu dem du ziehen könntest. Schon schlimm. Schlimm, schlimm. Muß immer noch bei Papi und Mutti und der bösen Schwester wohnen, die Arme.' Ich: 'Und du? Was ist denn mit dir? Du sitzt auch noch daheim. Wo ist ER denn? Wo ist ER denn die letzten Tage? Dachte, du wärst SEINE Nummer eins. Wo ist ER dann momentan abgeblieben?' Gaby: 'Wird schon wo sein, Mona. Habe SEINE Nummer. Ich kann IHN anrufen. Du kannst das nicht. Hihi!' Ich: 'Hat wohl gerade eine andere, ER, bei der ER ist ...' Gaby: Wird so sein. Gut möglich, daß ER sich eine vorknöpft. Oder einen. So sieht's aus, Mona. So sieht's wirklich aus. Aber trotzdem bin ich die. Die eine. Kann ja verstehen, wie schwer das für eine wie dich zu verstehen ist, Mona. ICH - nicht DU! Ich, Gaby, nicht du, Mona ...' Ich: 'Schön für dich, Gaby.' Gaby: 'Das eine, das stillt SEINEN Hunger. Das ist ... Muß sein. Aber ich bin die eine, SEINE Königin. SEINE Königin.' Ich: 'Was - Königin? Von was bist du denn eine Königin, Gaby?' Gaby: 'Wirst du schon noch sehen, Mona. Wirst du irgendwann schon noch mitbekommen.' Ich: 'Sehe dich nirgendwo auf einem Thron, Gaby. Wo ist es denn, dein Schloß? Wo ist deine Dienerschaft?' Gaby: 'Ach, du bist doch nur eifersüchtig. Du bist nur eifersüchtig auf mich. Weil ER mich erhöht, zu was Edlem macht. Während du ... Du nichts bist, bleibst. Wirst du schon noch merken, Mona, daß ich was Besondres bin.' Ich: 'Ach ja? Wann denn?'
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