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Blog von TeddeMehr

"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 643

6. Oktober 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"

Detektei Umschau: Wir hätten die Polizei einfach gerufen ...

Frau Uschke: Für mich war der Zeitpunkt verpaßt. Manchmal gibt es die verkehrten Entscheidungen. Das war bei mir an diesem Morgen. Ich gebe Ihnen recht, ich hätte sofort telefonieren sollen, die Polizei herbeirufen. Vielleicht das einzige, das ich überhaupt tun hätte sollen. Die Polizei anrufen, in meiner Wohnung bleiben. So was von recht haben Sie damit. Das muß ich wirklich zugeben, wie recht Sie damit haben. Statt dessen ... Ich überblickte dann den Hinterhof. Und ich habe mein Handy in meine Rocktasche geschoben. Weil: Es war da ja sonst keiner - nur SIE. Die da.

Detektei Umschau: Ein weiteresmal die, die Sie auf dem Foto dort als Frau Manuela Dombrowski erkannt haben ...?

Frau Uschke: Genau die. Die war das wieder. Dasselbe bekannte Gesicht. Manu. Die, wegen der ich die Studentinnen-WG um Frau Beate Ettnach abgemahnt hatte. Antwort hatte ich von Frau Beate Ettnach im dritten Stock noch keine auf mein Schreiben hin erhalten. Vielleicht hätte ich Frau Beate Ettnach bereits die nächste Abmahnung schicken sollen. Inhalt: Frau Beate Ettnachs Wohngemeinschaft besteht schon aus zwei weiteren Studentinnen. Von denen jede ein eigenes Zimmer für sich hatte. Wenn noch eine bei ihnen eingezogen war - wo hatte Frau Beate Ettnach diejenige untergebracht? In der Besenkammer? Ließ sie sie auf dem Sofa im Wohnzimmer schlafen? So hätte ich den Text ungefähr verfassen können. Hatte ich jedoch bis dahin nicht gemacht. Und irgendwie unternahm ich das die darauffolgende Zeit auch nicht. Nur im Kopf hatte ich das Vorhaben. Weiß nicht. Normal ist das nicht bei mir. Die Miete hätte ich Frau Ettnach auch erhöhen wollen. Ohne daß ich das Frau Beate Ettnach in einem weiteren Anschreiben mitgeteilt hätte ...

Detektei Umschau: Tja-ja?

Frau Uschke: Aber sicher. Oder was denken Sie denn? Daß ich die Wohlfahrt bin? Wohnraum hat seinen Preis. Nichts gibt's für umsonst.

Detektei Umschau: Was war weiter am Hinterhof?

Frau Uschke: Ich seh sie, die Rothaarige, mir seit letztens bestens bekannt. Jene 'Manu'. Ein Blick hat mir gereicht, sie zu kennen. Die war das, die bei Frau Beate Ettnach oben wohnte. Eine dicke Sonnenbrille hatte sie auf dem Näschen. So ein Grinsen im Gesicht, daß sie dasteht, den Rücken wie an die Trennmauer zwischen den Hinterhöfen angelehnt. Knapp bei der ersten Mülltonne. Diesmal machte ihr das Sonnenlicht nicht so viel aus, wie es schien. Obwohl, teigig, bleich, daß sie trotzdem ausschaute. Ein weißes Minikleid hatte sie an. So bis Mitte der Oberschenkel runter. Nichts Unstatthaftes. Auf dem ersten Blick. So richtig zu verstehen war das eigentlich für mich nicht, wie ich die so ansehe, was ich zuvor aus dem Hinterhof heraus gehört hatte. Das damit endete, daß die drei sudeligen, angesoffenen Jungspunde, die beinahe uniform wie für Sportunterricht angezogen waren, so eilig und fluchend davon waren. Zwei von denen am Hals aus Stellen blutend.

 

 

 

 

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