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Blog von TeddeMehr

"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 644

6. Oktober 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"

Detektei Umschau: Und, Frau Uschke?

Frau Uschke: Das war der erste Eindruck. Der zweite Blick war schon anders. Mehrere Schnaps- und Weinflaschen standen bei dieser 'Manu' am Teerboden rum. Allesamt angebrochen. Als wären nicht nur drei Knaben am Hinterhof gewesen, sondern noch ein paar mehr. Ein, zwei Pullen waren zu Bruch gegangen. Glasscherben waren überall um Manu, die im weißen Kleid herum. Wollte, mußte ich zu der hin, umgaben die Scherben die wie einen Wall. Dazu gab's auch mehrere frisch dunkelrot blutgetränkte Papiertaschentücher am Boden. Manus Gesicht sah aus wie abgewischt, hatte so ein paar Flecke. Ah, ihr weißes Kleid war nicht ganz weiß, sondern hatte einige hübsche Blutspritzer abbekommen. 'Was glotzen Sie so blöd, Frau Uschke?' höre ich. Ich huste, sage: 'Hier bei Ihnen schaut's aber am Hof aus ...' Die Rothaarige: 'O ja!' Zwei Mülltonnen waren umgeschmissen, ihr Inhalt herausgeflutscht, überblicke ich. Eine dritte Tonne jedoch war ausgekippt worden, stand umgekehrt da, der Deckel am Boden offen. Vandalismus. 'Heute brennt die Sonne nicht so, Frau Uschke', erlausche ich die Rothaarige: 'Heute halt ich's ein bißchen besser aus. Und ich hab mehr Kraft.' Ich nehme wahr, daß das weiße Kleid dieser Manu nicht blickdicht war; überhaupt nicht. Alles konnte ich bei Manu plötzlich ziemlich deutlich sehen. Ihre Brüste. Ihr Haardreieck. Dunkel, echt mit rötlichen Stellen. Zu blinzeln fing ich an ... Die Rothaarige: 'Haben Sie die Jungs gesehen, Frau Uschke?' Ich: 'Ja.' Die Rothaarige: 'Sind mir einfach weggelaufen. Gerade war's noch so lustig, waren sie so wild - dann laufen die mir weg ... Haha, glaub, sie müssen die nächsten Stunden noch alle zum Doc. Sonst kriegen sie das, was ihnen in die Höhe steht, nicht weg.'

Detektei Umschau: Uh, Frau Uschke ...

Frau Uschke: Das hat diese Manu gesagt. Mensch, Mensch, eine schiefe Welt war das, sage ich Ihnen. Eine schiefe Welt. Sie war nämlich überhaupt nicht an die Wand angelehnt. Sie lehnte gegen was anderem. Ich hatte so richtig eine falsche Perspektive. Einmal, Sandalen hatte die an den Füßen. Mit den Füßen begann sie, die Scherben wegzuschieben. Dabei bemerke ich, die hatte ja immer ihren Arm, ihre Hand hinterrücks. Als verberge sie da was. Dann bewegte sie den Arm, schob das vor, was sie dahinter hatte. Sie zeigte mir das, an das sie eigentlich angelehnt dastand. Ein Ding, das unten so Rollen dran hatte. Ein Art Rollator, auf dem sie saß. Das alles hatte sie mit ihren Beinen und dem ganzen Körper meiner Sicht verborgen. Oder ich konnt's nicht zu einem Bild verarbeiten, als ob ich an dem Morgen nicht dafür gemacht war. Das Rollding, das war etwas Marke 'Krankenhaus'. Im Krankenhaus hatte ich sowas schon öfter gesehen bei Leuten. Das war ein schwarzes Metallgestell mit zwei hochstehenden Stangen. Zwischen denen so ein Klarsichtbeutel mit durchsichtiger Flüssigkeit drinnen dranhing. Ich wiederhole Ihnen: Ich konnte die Entwicklung der Abläufe am Hinterhof einfach nicht fassen. Ein Plastikschlauch befand sich an dem Beutel dran, der zu der Rothaarigen hinverlief. An ihrer Armbeuge war der Schlauch mit Heftpflaster festgemacht, an dem Arm, den sie vor mir versteckt hatte. Um es deutlich auszudrücken: An einen Tropf war die Rothaarige angehängt. Die Rothaarige war mit einem Krankenhausrollator mit angehängtem Tropf unterwegs. Als wäre sie aus dem Krankenhaus ausgerissen.

 

 

 

 

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