"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 757
15. November 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"
Unter Umständen muß einiges bei einem Mädchen zusammenkommen, will es für eine bekannte Modefirma auf dem Laufsteg Kleider vorstellen. Dinge, an die dieses Mädchen nie denken würde, wenn es daheim in den Spiegel schaut und sich für so hübsch hält, daß es sogar Model werden könnte.
Trotzdem gibt es sie, die all das haben, was als Model verlangt wird. Die, die jede der oben genannten Kategorien erfüllen. Das sind allerdings nicht viele. Und mit Schönheit muß das am Schluß nicht viel zu tun haben. Daß ein Model in der Modebranche noch hübsch ist, ist eher ein nützlicher Nebeneffekt.
Nun, Sie überfliegen meine Zeilen, Herr Doktor Gregorius Weil-Esch. Vielleicht schon ein zweitesmal.
Die Studenten von Frau Professor, meiner alten Freundin, Bekannten, Liebhaberin - wie immer Sie sie nennen möchten -, haben mit Hilfe von Gesichtserkennungsprogrammen auf ihren Computern, zahllose Fotografien von Verbrechern aus der Vergangenheit durchforstet.
Und die Kriminologiestudenten sind auf etwas gestoßen. Zufall würde ich das nicht nennen, wenn es möglich ist. Die Möglichkeit.
Uralte Schwarzweißaufnahmen.
Von zwei Schwerverbrechern. Die Vater und Sohn sein könnten. Verwandte.
Oder auch ein und dieselbe Person.
Was sagen wir dazu, Herr Doktor Weil-Esch?
Der eine, sein Name ist Herr Drache Ruberto Apolonius Wänk. Geboren 1847, verstorben 1909.
Herr Drache Ruberto Apolonius Wänk, auf den mit den Fotoapparaten der damaligen Zeit von 1902 bis 1904 gemachten Bildern immer mit Binder, weißem Hemd, schwarzem Knitteranzugjackett und Bowler am Kopf der Nachwelt festgehalten.
Das letzte Bild Herrn Drache Ruberto Apolonius Wänks in Gefangenenkluft hat ein Polizeifotograf angefertigt.
1909 wurde Herr Drache Ruberto Apolonius Wänk in der Totenburg in Oberschlesien im Burghof vor Schaulustigen gehängt. Nach dreijähriger Kerkerhaft.
In seinem Prozeß von Dezember 1905 bis Januar 1906 war Herr Drache Ruberto Apolonius Wänk des zehnfachen Mordes für schuldig befunden worden.
Zwei Familien, die Herr Drache Ruberto Apolonius Wänk in der Region Oberschlesien ausgelöscht hat. Als Auftragsmörder.
Über seine Auftraggeber hat Herr Drache Ruberto Apolonius Wänk sich ausgeschwiegen. In den Verhören die Morde jedoch unzweifelhaft zugegeben.
Der andere präsentiert sich auf einer schwarzweißen Polizeiaufnahme aus der Mitte der zwanziger Jahre. Jahreszahl: 1923.
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