"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 760
16. November 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"
Letztens war Frau Professor mit ihrer Studentengruppe in Berlin. In Berlin-Brenzlau.
Dort durften die Studenten sich in einem ehemaligen Polizei-Archiv über die Ordner hermachen. Alte Berliner Kriminalfälle. Kriminalfälle aus der Weimarer Republik. Dem Dritten Reich, während dem Dritten Reich gab es auch noch Kriminalität, stellen Sie sich vor. Die fünfziger, sechziger, siebziger Jahre.
Dort war und ist man auch sehr geschäftig, in dem Archiv. Studenten, Professoren und alle mögliche anderen Leute, die sich mit der Archivierung von Kriminalfällen beschäftigen, Dinge auf Rechnern einscannen.
Einer der studentischen Reisetruppe Frau Professors, meiner alten Freundin, kam auf die Idee, die Namen Drache Apolonius Wänk und Drako Rubertus Wankel als Suchanfrage in den Computer einzugeben, vor dem er hockte.
Und der Monitor präsentierte dem jungen Mann ein Ergebnis.
Der Student informierte Frau Professor darüber. Zusammen, daß Frau Professors und der Student der Sache weiter nachgingen, weil angegeben war, wo das Dazugehörige im Archiv zu finden war.
Was Frau Professor und der Student dann auffanden, war relativ enttäuschend: eine dünne Papperdeckel-Akte.
Der mit dem Wort 'Kopie' versehene Akt zeigte zwei rote Hakenkreuzstempel. Die Jahreszahlen 1935 und 1941. Daneben krakelige, unleserliche Unterschriften.
Inliegend zwei angekokelte Zwischenseiten, die Jahreszahlen 1929 und 1932 in der Blattmitte aufgedruckt, sonst nichts.
Der kümmerliche Rest der kopierten Lemberger Akte, die Herrn Drako Rubertus Wankel anbetraf.
Nur ein einziges Ding, das gab es doch: ein Schwarzweiß-Foto von Herrn Drako Rubertus Wankel. Ein Standporträt, Herr Drako Rupertus Wankel im teuren Anzug mit Hut auf dem Schädel in einer Bürokulisse mit Hitler-Bild rechter Hand.
Hinten am Foto der Stempel des Fotografen: 'Heinz Meier, Dresdener Fotohaus, Januar 1935'.
Das war zunächst das eine, Herr Doktor Gregorius Weil-Esch.
Des weiteren hat mir meine Freundin aus der Studentenzeit, die heute Kriminalgeschichte an der Uni lehrt, ein Bild aus einem preußischen Mörder-Almanach aus dem Jahre 1838 kopiert und auf den Rechner geschickt.
Diese Art Almanach wurde jährlich herausgegeben, durch Postreiter Polizeistationen übermittelt. Sogar über die Grenzen Preußens hinaus.
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