"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 79
14. März 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"
Ich zucke zu Manuela hin die Schulter. War mit diesem Hansi ja nicht bekannt.
Manuela: 'Schau's dir an, Berndie. So ein hübsches Brautkleid! Stell dir das vor, Berndie, wie toll ich in dem Kleid ausschauen würd'. Wenn ich das erst angezogen hätte, würdest du nur noch große Augen machen.'
Am Kopf kratz' ich mich. Das Thema Heirat, das war die Tage nicht gerade mein Lieblingsthema.
Manuela guckt original zu mir herüber, meint: 'Glaubst du mir nicht, Berndie?'
Ich: 'Doch! Klar steht dir das Brautkleid bestens.'
Manuela: 'Wie die Rüschen meine Brüste betonen würden, Berndie ... Schau nur hin, Berndie! Die Puppe hat ungefähr meine Oberweite. Das da ist ein Brautkleid, wie ich mir das weiße Kleid für meine Hochzeit vorstell'. Genau so. Müßte nur noch für mich angepaßt werden, Berndie. Auch das rote Abendkleid. Wäre an mir auch nicht schlecht. Den tiefen Ausschnitt, den kann ich mir erlauben. Nicht wahr, Bern-die?'
Süßholz raspeln, das war angesagt: 'Kannst du, kannst du. Du bist in jedem Kleid schön, Manuela. Glaub', in jedem Kleid bist du ein Anblick, den keiner schnell vergessen würd können.'
Dem Impuls, mal mir nichts, dir nichts kurz zu Manuela rüberzufassen, Manuelas Brustrundungen unter ihrem schwarzen Samtstoff abzutesten, hab' ich denn nicht nachgegeben.
Obwohl ich das Jucken in den Fingern hatte, hab' ich das nicht in die Tat umgesetzt.
Hätte ich das getan, Tagebuch - hätte das vielleicht mörderisch werden können, was meine weiterführenden Absichten mit Manuela angegangen wären.
Ich mein', verehrtes Tagebuch, wenn Manuela sich das nicht gefallen lassen hätte wollen.
Möglich, daß Manuela mir auf der Stelle eine Maulschelle verpaßt hätte, wär' ich ihr so offensiv dahergekommen. Im Anschluß daran, daß Manuela dann ein paar glasklare Worte zu mir herspricht. Um empört von mir davonzuschreiten, Manuela. Auf Nimmerwiedersehen.
Nein, Tagebuch, das war nicht. Leider.
Geduld, hab' Geduld, sag' ich mir. Geduld - war meine Devise.
Mit Geduld den rechten Zeitpunkt abzuwarten - war auch mit ans Ziel zu kommen.
Nur, aus der Sicht, die ich heute, in der Gegenwart meines Seins, auf die Dinge habe, denke ich, ich hätte das bringen sollen, Manuela unvermittelt nach der Brust zu langen. Manuela in aller Öffentlichkeit, für jeden, der herschaut, die Oberweite herzukneten.
Und wenn Manuela, ob meiner Unbeherrschtheit tatsächlich die Empörung gekriegt hätte, mit allem Drum und Dran, daraufhin von mir abgehauen wäre - wäre das nicht das Allerbeste für mich gewesen, was mir geschehen hätte können?
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