"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 80
15. März 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"
Das jedoch - um das unzweideutig festzuhalten, Tagebuch - ist vollständig heutige Sicht.
So, wie es in der gegenwärtigen Welt für mich ausschaut, hätte es wohl kaum etwas Besseres für mich geben können. Als das, daß Manuela mir zornig irgendwas herkeift. So in der Art, was ich mir denn erlaube, ihr so einfach an den Brustumfang zu gehen.
Sie, Manuela, die mich im Anschluß daran stehenläßt. Von mir sich entfernt, total aufgebracht.
Fort von mir und meiner näheren Umgebung, Manuela.
War aber alles nicht. War nicht. Leider.
*
Achtzehnter Juli, mein Tagebuch.
Halb fünf am späten Nachmittag ist's.
Sachen gibt's, Tagebuch.
Es ist so, ich bin hier, hier an meinem Rechnertisch, sitze am Drehstuhl.
Auf der Tastatur - über F1, F2 bis F7 - habe ich sie plaziert, die Schlaftabletten.
Anschließend hab' ich mit wichtigem Gehabe die Mineralwasserflasche aufgeschraubt, angefangen, auf die weißen Stücker Tabletten zu starren.
Die Überlegung: Reichen mir die sieben Stück, die ich noch übrig hatte, fürs Abkratzen? Sollte nämlich danach keinen zweiten Versuch geben müssen. Wenn ich's mache, dann richtig. Finaler Schnitt.
Als Toter hatte ich schließlich keine Sorgen. War ich tot, waren alle Geschichten für mich aus und vorbei.
Der Verstorbene brauchte keine Rechnungen zu bezahlen. Keiner im Sarg mußte das. So was mußten bloß die Lebenden. Nur die hatten deswegen die Besorgungen.
Um nichts müßte ich mich kümmern, als Leichnam. Nicht einmal um das eigene Begräbnis. Höchstens darum, daß ich, war ich abgekratzt, zuschaue, so geschwind wie möglich von der Örtlichkeit fortzukommen. Das hieß, gab es irgendwas Derartiges wie eine Seele, die sich loslösen könnte vom Körper.
Echt wahr, das hat was, verehrtes Tagebuch. Total ein Scherzchen, daß ich mich selber ums Leben bringen möchte. Aber, gleichzeitig, bin ich feige, konfrontiere mich nicht.
Möglicherweise mit dem Tod.
Das will ich Dir sofort auseinandersetzen, Tagebuch, was sich ereignet hat ...
Ich war mein Zimmer satt.
Hinaus bin ich, raus aus dem elterlichen Wohngebäude. Um frische Luft zu fassen. Zu vieles, das mich drinnen anstank.
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