Vielleicht wäre eine Militärregierung eine Zeitlang für die Türkei sogar ganz gut gewesen. Zivile Leute. Die wieder an Atatürk gedacht hätten: die akzentuierte Trennung von Staat und Religion. Das eine ist der Staat, das andere die Religion. Der Staat regiert, nicht die von den Religionen. Die religiösen Häupter können vielleicht mal was sagen, was man sich anhört. Wenn's aber nicht interessiert, dann...
Dafür wird jetzt in dem Land nur noch von oben herab geputscht. Dieser Putsch ist in vollem Gange.
Denken welche da endgültig, ihnen gehört die ganze Türkei exklusiv, könnten sie mit dem Staat tun und lassen, was sie wollen.
Deutlich zeigt sich, daß die von jener Partei, deren führende Köpfe an der Macht sind, lange ihre Listen vorbereitet hatten, diese gegenwärtig abarbeiten, wen sie verhaften lassen könnten, wen nicht. Daß man echt Zweifel an einem tatsächlichen Staatsputsch hegen könnte.
Was das für ein Feind ist, gegen den der türkische Staatspräsident vorgeht, schwer zu sagen. Intellektuelle sind eher säkuläre Leute. Ein "Prediger" aber, der eine "Bewegung" führt... Ob der in deren Interesse liegt?
Anscheinend eigentlich auch Leute, die des Predigers, gegen die genausogut vorgegangen werden hätte müssen, kaum hätte man einigermaßen das andere niedergeschlagen, dem der Staatspräsident vorsitzt. Mit Freiheit und freiem Geist haben die des Predigers nämlich genausowenig zu tun.
Was die Partei des Staatspräsidenten heute zeigt: Über Jahre hinweg haben sie sich an den Schalthebeln der Macht des Staates festgesaugt. Zum eigenen Frone. Für eine immer deutlicher offensichtliche Religions-Diktatur. Auf dem Weg zu neuem Scheichtum, einem "Kalifat" vielleicht?
Einem "Kalifat"?
Daß sie, die von jener Partei sind, jetzt den Anschein erwecken können, sie wären insbesondere die Türkei, das hat was.
Sie tun tatsächlich ganz so, als stünden ausschließlich sie für türkische Interessen. Obwohl sie eigentlich nur für die eigenen und vielleicht für die ihrer Parteimitglieder stehen.
Eine Partei ist das, die ursprünglich religiös-konservativ war. Was sich jetzt zu religiös-diktatorisch wandelt. Ein Staat, ein ewiger Führer und noch dazu: ein Religions-Führer. Eine religiöse Staatspartei mit solcher Führungsfigur in einem in jeglicher Hinsicht gleichgeschaltetem Land. A la drittes Reich.
Sonst sind das keine besonderen Ideen.
Gefehlt hätten diese Leue in Europa sicherlich keinem, hätte da ein Putsch hingehauen.
Weil dieser seltsame "Putsch" aber nicht geklappt hat, was eigentlich schon von Anfang an ungefähr so ausschaute, als wäre da was falsch an den ganzen Szenen, die man übermittelt kriegte, würde das sicherlich so nicht recht hinhauen, wie die das versuchen, putschen die von oben herab dafür heute um so besser. Am besten.
Der oberkomische "Putsch" hat ihnen erst die Möglichkeit eröffnet dazu. Daß man sich gut fragen kann: Was war denn das nur für ein Putsch?
Vielleicht ein "Putsch unter Kontrolle" Ein begleiteter Putsch.
-----