Gottgleich und unduldsam
In der Türkei regiert der Staatspräsident.
Der Mann, dessen zwei Wahlperioden vorbei waren, der dann auf den Staatspräsidenten-Posten wechselte.
Eigentlich eher die Repräsentiertätigkeit im Staate. Ähnlich der britischen Königin. Oder des Bundespräsidenten in der Europaregion Deutschland.
Jetzt hat der Staatspräsident der Türkei trotzdem alle Machtbefugnisse. Sie einfach an sich gezogen. Auf Verlangen übereignet bekommen. Um alle Macht in sich zu vereinen.
Ohne größere Zusammenkunft des Parlaments. In dem bisher weiter die nötige Zweidrittelmehrheit fehlen würde, weil die HDP sicher nicht als Mehrheitsbeschaffer für IHN herhalten möchte.
Das heißt, die Macht des Staatspräsidenten in der Türkei hat im Grunde nicht Hand und Fuß. Die Machtübernahme ist inoffiziell. ER ist einfach der oben an der Spitze des türkischen Staates. Wie selbstverständlich. Obwohl ihm die Gesetze für die Legitimation weiterhin fehlen.
ER ist mal der Machthaber. Der EINE.
Neben ihm stehen die SEINER Partei in einem Ein-Parteien-Staat herum. SEINE Steigbügelhalter. Die dafür sorgen, daß nach seinem Willen bis in die Regionen von IHM durchregiert werden kann.
Der Diktatur wird in der Türkei ganz unzweideutig gehuldigt. Das, was "Demokratie" heißt: eine entkernte Hülle. Ein Schein für die Doofen.
Die wahre Türkei ist gegenwärtig der diktatorische Staat mit Gleichschaltung von allem. A la den Geschehnissen im Deutschen Reich in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts.
Wer nicht für IHN ist, wird verhaftet. Landet in den dichtbevölkerten Gefängnissen, in denen sich die Eingesperrten bald noch stapeln.
Glattweg hat man bereits Verbrecher amnestiert, damit in den Gefängnissen Platz frei würde. Mancher, der noch eine längere Strafe abzusitzen hätte, wurde freigelassen. Solange sein oder ihr Delikt keine irgendwie geartete politische Ansage enthielt oder das Verbrechen Mord war, war der Person die Freiheit zurück.
Könnte bald passieren, daß eine Gegenrede in Richtung eitlen Staatspräsidenten mit der Todesstrafe in Verbindung gebracht wird. Diesem "Erwählten", den man vielleicht auch "gottgleich" nennen könnte. IHM ist mindestens genausowenig zu widersprechen wie jedem Gott.
Schwer sollte man die Geschehnisse in der Türkei mit der Religion in Verbindung setzen. Nicht nur mit dem eher profaneren Willen des EINEN, ein neues osmanisches Reich errichten zu wollen. Dahinter steht die fundamentalistische Religion, die in diesem osmanischen Großreich Staatsreligon sein MUSS. Geradezu jenes religiöse Gesicht, das der Taliban in Afghanistan.
In der Religion ist ER schließlich der Größte, der EINE. Daher kommt ER doch eigentlich. Aus solch einer Schule.
Deswegen ist IHM das Religiöse auch seit jeher ein besonderes Anliegen. Das Errichten von Moscheen ist für ihn von herausragender Bedeutung. Ob die Moschee in Rußland oder sonstwo ist, Moscheen will er sehen.
Vielleicht erklärt sich die Türkei bei irgendeiner Gelegenheit demnächst zu einem Gottesstaat, führt das "Gottesrecht" der heiligen Schrift ein.
Wie im allertiefsten Mittelalter.
Wie die nebenan im Grunde genommen, gegen die momentan, Ende des Jahres '16 nach dem Millenium, groß gekämpft wird.
Nur, daß ER dafür lange Jahre durch die staatlichen Instanzen gegangen ist, geduldig. Erst immer als einer, der demokratisch vom Volk gewählt wurde.
Jetzt höchstens mit dem Interesse, Wahlen noch zu inszenieren, daß die europäischen Vollidioten es zufrieden sind. Die, die keine Ahnung haben, warum die Landkarte der einen, von einem Kalifen regiert, so gewaltig groß war, die Türkei wie selbstverständlich beinhaltete. Sogar nahe an den Kern Europas heranreichte.
Vielleicht sollten sich die Europäer diese Landkarte noch mal genauer ansehen. Mit geschärfterem Blick.
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