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Blog von TeddeMehr

Malen nach Buchstaben

7. April 2017 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #Kurzware

Einiges Perfides, Hinterfotziges am Tagesticker mitzukriegen, Anfang April des Jahres '17 nach dem Millenium.

So ist ein Malbuch für Kinder und wohl auch Erwachsene: in den Druck gegangen. Ein Machwerk, in dem der eine große Diktator mit dem ewigen Charlie-Chaplin-Nachäffer-Bärtchen abgebildet ist. Den darf jeder als kleineres, größeres Kind nach Buchstaben ausmalen, den einen, der dem "Tramp" Charlie Chaplins einen widerwärtigen Charakterzug verlieh. Am Bild reckt der eben seinen Arm in die Höhe, jene berühmte Pose. Was man sinnbefreit mit Farbstiften bunt anmalen dürfte.

Was alles nötig ist, so ein Malbüchlein zu drucken und später zu veröffentlichen, überlegt man sich das mal. Und niemandem, keinem im Verlag bei der Auswahl der Bilder oder späterdings in der Druckerei ist dabei das allergeringste aufgefallen. Keiner hat was von der Intention der Abbildung, die mit kindlichen Augen mit Farbstiften ausgemalt werden sollte, bemerkt und sich drüber erregt. Nichts der braunen, abartigen Soße reflektiert, die sich einwandfrei abbildete. Als ob viele, die bei den verschiedensten Arbeitsschritten bis hin zur Veröffentlichung nötig waren, einig waren, absichtsvoll drüber hinwegschauten. Obwohl die Intention, die sich dahinter verbirgt, einwandfrei ersichtlich sein hätte müssen. Als befände man sich in trauter Übereinstimmung, wäre ganz damit einverstanden. Auch mit dem, wie das beim Endverbraucher ankommt und die Probleme, die einem dadurch entstehen könnten, fällt es doch wem auf, gibt's Aufregung.

Anscheinend hatte hier keiner Angst vor irgendwelcher öffentlicher Empörung, einem Schaden, sondern fühlte sich auf der sicheren Seite.

Das zu bemalende Bildnis zeigt ja auch nur DEN, wirklich nicht Charlie Chaplin in seiner berühmten Rolle. Und das in einem Ausmalbüchlein, das eher für die Kinderschar gedacht ist.

Das heißt, in voller Absicht eigentlich wurde hier was untergebracht, und es hat tatsächlich scheinbar ewig gedauert, bis irgendwer auch nur irgendwie ein bißchen an Erregungsrate zugelegt hat.

Immer wieder das mit Charlie Chaplin, der mit dem "Tramp" als haltlosen Herumtreiber mit verknittertem Anzug, der Andeutung eines schmalen Bartes und kürzerem, längerem Gehstock der Armut ein Gesicht verlieh. Jenen, die nichts hatten, auf der Verliererstraße rumliefen und trotzdem die Konvention einigermaßen wahrten, sauber bleiben wollten.

Wie nennt man nun eigentlich die Mode so eines Bärtchen, wie der "Tramp" es der Welt als Filmfigur präsentierte? Weiß nicht, gibt es für so einen Bart einen Jargonbegriff?

Kein ausufernder Schnäuzer, sondern ein Bart, links und rechts rasiert, gestutzt, eher stoppelig. Längere, kürzere Stoppel, kurze Härchen. Je nachdem, wann jemand wieder mal die Gelegenheit für sich fand, den Bart mit einer Schere zurechtzuschneiden. Sollte er wieder mal an eine Schere geraten. Zum Rasieren reichte auch ein schärferes Messer.

Ist etwa "Breitbart" so ein Name für das Charlie-Chaplin-"Tramp"-Bärtchen?

Nur, daß so eine Neuigkeit gegenwärtiger Zeit, die mit dem neuen amerikanischen Präsidenten der Weltöffentlichkeit deutlicher wurde, sich kaum auf Charlie Chaplin und den "Tramp" bezieht. Sondern ganz jemand anders meint.

Das mit dem und diesem Hintergrund, das als "Breitbart" verklausuliert wird.

Daß das links und rechts zurechtrasierte, gestutzte schmale Bärtchen "Breitbart" genannt wird? Zwei breite Oberlippenstreifen. Deshalb "Breitbart"?

Unsympathischerweise bei jenen nicht auf den "Tramp" bezogen, sondern auf ihn, den großen "Führer". Eine wahre Größe an Niederträchtigkeit.

So ähnlich, wie die, die sich als "Breitbart" verbreiten, nur Meldungen verlautbaren, die eine bestimmte Ausrichtung haben. Wenn was wahr ist, ein wahrer Kern kann sicher öfters dabei sein, dann mit dem Hintergrund, die Wahrheit irreführend darzustellen, ihr einen verfälschenden Charakter zu verleihen. Einen, eben der rechten Sache dienlich. Diesem Horizont.

Daß die wahre Meldung mit dieser Ausrichtung geradezu zu einer fälschenden Neuigkeit wird, wenn nicht ohnehin was freiweg frei erfunden wurde bei denen, die "Breitbart" als Überschrift haben. Leute, die lieber einer Stimmung dienen. Einer, der man ständig allzu gerne nachhelfen möchte. Statt harte Fakten wiederzugeben, die Wahrheit, die eine Angelegenheit objektiv, kühl aufhellen will.

Und dann, ebenfalls frisch am Ticker mitzukriegen: eine gewisse Dame. Eine in der Führungsposition einer obskuren, neueren Partei, die führte bei ihren Worten die Juden im Mund. "Jude", das Alte bei DENEN.

Die Juden, seit altersher gerne genommen, benutzt von JENEN. Sozusagen ihr Lieblingssündenbock für alles mögliche. Alles, was irgendwo schieflief auf der Welt, schoben sie in einer Sprachregelung den Juden in die Tasche.

Bei den Altvorderen in den Zwanziger Jahren in der Weimarer Republik war das zu einhundert Prozent: Dem "Juden" wurde die Schuld gegeben. Bis hin zu einem "Weltjudentum" blähte sich das auf.

Die reinste Ablenkung.

Aber, es hatte sich tief in die Volksseele eingefressen. Zur damaligen Zeit. Und heute kommen anscheinend auch wieder welche verstärkt mit so was rüber. In vielen Ländern.

Etwa in den USA. In den USA gibt es seit dem Eintreffen des Jahr-'17-Präsidenten viele Übergriffe auf jüdische Einrichtungen. Das Wenigste dabei noch: Grabschändungen.

Unfaßlich, was da in den Staaten los ist. Rechtsdrehende USler bedrohen jüdischstämmige US-Amerikaner massiv. Die mit der jüdischen Abstammung wissen überhaupt nicht, wie ihnen geschieht.

Die Juden, der Rechten ewiger Lieblingssündenbock. Schuld an allem und jedem.

Und Rechte zeigen sich damit ganz offen, unverhohlen. In der Gegenwart. Als könnten sie derartiges im Heute locker anbringen.

 

 

 

 

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