So was Vorurteil
Mit meiner besten Vorurteilsverhaftung dürfte ich demnach bei Leuten was sein.
Auf die Schulter würde mir gehauen, wenn ich mit so was, schlau aus der Wäsche guckend, daherkäme. Weil ich eben in der Lage war, mein "Bestes" hervorholen zu können. Bei IHNEN dort, daß ich das auch unbesorgt dürfte: mich rauszulassen, mit allem dort rumzukommen. Was ich so in mir an "Gutem" drinnen hätte. Von wegen meinen Vorurteilen und dergleichen.
Sogar in Parlamenten, wäre es mir derzeit möglich, mit so was groß herumzusitzen. Eingaben mit hämevoller Hintergründigkeit zu machen. Ich, mitten unter meinen Kameraden. Beste Freunde, Freundinnen. Wo sie alle irgendwie so sind wie ich. Nicht anders.
Jetzt war so eine Anfrage einer Partei, April des Jahres '18-Tage, die Frage Migration und Behinderung, daß hier verknüpft wurde. Das, daß jedem das Geschmäckle deutlich werden könnte. Wie das so wäre, im Grunde, in einem Parteiwesen, käme es erst besser mit sich voran. Als was aus dem Vorvorgestern. Eingetrübste Zeit.
Wie früher schon mal, daß es hier als Gegenwartston Aufklang hatte. Als sie noch weniger was das schöne Wort "Alternative" für sich im Mund führten. Wie damals, als so was in der schwerbeladenen Weise längst schon mal jahrelang Regierung hatte, man diese tatsächlich für sich nehmen durfte. Wahnsinnigerweise. Beim "Reichsbürger" die Tage.
Da war ehedem im Laufe einer Regierungszeit die Rede von "unwertem Leben". So das Leben in einer Psychiatrie, einem bei viel Pflegenotwendigkeit bei einer körperlichen Behinderung - das wurde lediglich aus einer Kostenperspektive betrachtet. Daß man für "unwertes Leben" etwas im Sinn hatte. Auf eine "Endlösung" sann. Erst mal durch so verschiedene "Euthanasie"-Programme. Dann, als der zweite Weltkrieg für die da noch weitestgehend Unversehrten ins Rollen kam, daß es für die Behinderten, Leute in den Psychiatrien und so geradewegs in die KZ ging.
Eine "Endlösung", für die sollte gesorgt werden, wie desgleichen für die eine oder andere Minderheit im Staat. Die man lange voller Vorurteil und haßerfüllt, feindselig bedachte, auf dem Kieker hatte. Denen man in der Vergangenheit alles mögliche, das man meistens höchstselbst verbockte, in die Schuhe schob. Einen Sündenbock für zeitweise schlechtere Lebensumstände und so unter den vielen der Bevölkerung zu haben. Das in langen Jahren angestaute, auch noch angelesene Vorurteil, das sich nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten so richtig Bahn brach.
Die jüdischstämmigen Deutschen, die man mehr und mehr angriff. Zunächst sie bloß krude terrorisierte, ihnen das Alltagsleben erschwerte. Die Religionsausübung und das. Bis da vieles in Flammen aufging. Dann war Krieggeschehen, und man sann auf eine feindselige Auslöschung mancher Volksminderheit. Zuoberst die jüdischer Abstammung, Sinti und Roma, die man "Zigeuner" hieß. Vom Bürosessel aus unternahm man was, mit Beamtenaussehen, im -Status. Von hinter dem klobigen Schreibtisch her setzte man das und das in Gang. Das, was man plante, daß sich in den besetzten Gebieten in den verschiedensten Konzentrationslagern verwirklichte. Bei Rohrleitungen, die von Arbeitern von an dem Auftrag interessierten Firmen verlegt wurden. Für ein entsprechendes Gas, für das gesorgt wurde, der Ermordung vieler so richtig Schwung zu verleihen. Das mit der "Euthanasie", der Auslöschung "unwerten Lebens", das war weiter voranzubringen. Dort, wohin Dampfzüge fuhren, weil Eisenbahnschienen hinverlegt waren. Dorthin, wo man Verbrennungsöfen anwarf, Leichen zuhauf zu verbrennen. Der Massenmord, der in den Konzentrationslagern in einem industriellen Maßstab betrieben wurde. Stinken ließ man es kilometerweit, der Duft verbrennender Körper, der sich verbreitete. Nur nicht so beim Reichsbürger im Kern-Reich, der dort weiter entfernt wohnte. Den belästigte man nicht mit dem Dauergeruch; wahrscheinlich, damit dieser sich nicht doch mal errege. Wenn's bei ihm zu groß unters Volk käme, hatte man die Befürchtung, es gäbe eventuell Aufruhr.
Mit allem Vorurteil, das man nur haben konnte, setzte man sich während jener Jahre fundamental in die Tat um. Lange heute im Gestern. So viele Tage betrieb man sein Geschäft, solange eben der Zweite Weltkrieg noch im vollem Gange war. Während mancher heldenhaft war, durfte er dann und wann auch bei Erschießungskommandos oder sonstigen mörderischen Unternehmungen mitmachen. Das Problem späterhin, für so einen den Kriegsgeschehnissen entkommenen "Helden", war, wenn er sich für so Erschießungskommandos und manch anderes zu oft freiwillig gemeldet hatte. Viel öfter, als es notwendig gewesen wäre. Von ihm verlangt wurde.
Und im Heute spotten im Gegenwartsbundestag, dem der Jahr '17-Wahl, Bestimmte mit sich rum. Bringen Migration und körperliche, geistige Behinderung böswillig in Zusammenhang. Leute, die sich in so Tage vor Adenauer, Erhard zurück wünschen, Dinge, daß sie provozierend miteinander verknüpfen. Die besten Vorurteile, selbst die noch der komischsten, obskursten Vorfahren, mit denen man, angefüllt von Schläue, so kurz hintenrum im Bundestag antritt und rumfragt. Quasi fast, als wer von altersher, national und ewiggestrig. Im Grunde doch mit sehr viel Vergangenheitsbezug bei sich.
Daß es einem klar werden könnte, möcht's man noch nicht genauer wissen, wessen Geistes Kind man ist. Wo was Erbe liegt. Trotz des Nachgeborenen als Faktor. Auf das Nachgeborensein, daß man pocht.
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