Nie mehr würde man SIE freilassen
So eine Rede von einem aus längst vergangener Zeit, das Kinder, Jugendliche zum Thema hatte. Eine Ansprache, die so vorhergehende Generationen noch unmittelbarer anbetraf. Bloß, so im Heute, wo Leute, Personenkreise wie blöd jenseits jeder Belichtung in Wahlkabinen gewählt werden ... Seine Wahlkreuze für so was.
Da steht er nun da, am Bild, ballt die aufrecht gehaltene Handfläche ostentativ zur Faust, verzieht seine Miene zu einem seltsam hämischen Grinsen - wobei er Mädchen und Jungen, dem Teenager ein Versprechen gibt. Und zwar das, daß er sie nicht mehr los- und freilassen würde, "Die Jugend". Daß er sie im Griff haben würde, bis rein ins kleinste Detail ihres Daseins. Nicht mehr all zu viel irgendwie zum Denken würden sie kommen, fern der Muße, irgendwie eine Kleinigkeit zu reflektieren. Weil die Jungs und Mädels vorne und hinten Programm hätten, Indoktrinierung, das alles.
Wie er es den Kindern, den älter werdenden Burschen und Jung-Frauen, die in den Tagen des dritten Reiches lebten, ja auch späterhin umfangreich bekannt machte. Die Jungs, die hatten dauernd was Lager, liefen im Wald rum, sprangen über Stock und Stein. Erfuhren nicht bloß Spaß an der frischen Luft, sondern militärischen Drill. Trugen was Tornister am Rücken mit sich rum oder zielten aus hölzernen Tonnen wie aus einer Panzerfahrzeugöffnung mit Holzgewehren in der Gegend rum. Wirklich nicht für ein Späßchen. Alles der blutigste Ernst. Die Vorbereitung auf ihr zukünftiges Kerle-Schicksal. Soldat und williger Befehlsempfänger, das hatten die vom Mannsvolk an erster Stelle zu sein. Mit allem Zubehör, dabei inbegriffen. Daß sie sich opferten, den nötigen Opferwillen bei den Tausendsten Schwüren in sich trügen. Dann und wann schließlich, daß die Möglichkeit bestand, daß man im Gefecht wo zurückblieb. Tot. Höchstens noch eine Leiche. Oder eben mit der und der Verletzung, daß sie möglicherweiser mißlich hinter die Frontlinie zurückkamen. Das Geschick der Kriegsversehrten, -invaliden teilten.
Das hatte man mit einem vor. Das sollte das vorherbestimmte Schicksal von einem sein. Entweder als gemeiner Soldat. Oder als Führungsoffizier bis hinauf zum Offiziersrang. Dem und so was galten alle Vorbereitungen. Bei den Knäblein zuvorderst. Auch die Verluste inbegriffen.
An die man auch bei den Mädels dachte. Weit gefehlt, daß man die nicht ebenfalls bedachte. Ebenso, daß man sie an der Kandare hatte,. Die vom weiblichen Geschlecht, die sich nur nicht in so der Art Wildnis-Lager der Bübchen zusammenfanden. Die von der Weiber-Partie trafen zumeist in Häusern, Baracken vielköpfiger aufeinander. Mit viel Grünzeug als Umgebung nebenher. Denn auch sie hatten erst mal ihre Leiber zu ertüchtigen. Da und dort turnerisch rumzuhüpfen, sich geschmeidig zu halten. Durften dabei allerdings nebenher auch schon mal einen Kinderwagen länger schieben. Hatten überall Trockenübungen fürs Kleinkindwickeln anzustellen. Mit Puppen. Nur, alles andere als das übliche Mädchenspiel. Mit einem von Mutti oder Vati daheim im Wohnzimmer geschenktem Püppchen. Sondern mit dem Hintergrund, daß die eine demnächst vielleicht ein Kind kriegen würde. Vielleicht mehrere. Alles über Kinderversorgen kriegte man mit, bei propagandistischer Infiltrierung mit den Umfängen des nationalsozialistischen "Geists". Aber dann war man sofort wieder zurück beim Kochen, Nähen, Stricken und Häkeln, bei all dem, Pipapo. Auch Kräuterkunde im Garten hatte man jede Menge, man pflanzte was an. Gut und gerne auch eine Vorbereitung. Auf etwas notigere Tage bei einem. Wenn zum Beispiel was Krieg wäre, man im "Reich" langsam Versorgungsschwierigkeiten hätte, mit Lebensmittel, all dem. Aus dem eigenen Garten konnte eine jede sich immer was ziehen; aus dem einheimischen Wald sich was Pilze, Rinde holen, möglichst, ohne sich selbst dabei zu vergiften. Und wenn dann kein neues Kleid mehr wo zu kaufen war, konnte man sich dieses selber flicken, ohne sich dessen schämen zu müssen, weil man geübt war. Ganz zu schweigen davon, daß man das zu flicken hatte, das Gewand der Soldaten, das in die Heimat geschickt wurde. Auch mit Blutflecken dran, die man kundig zu entfernen hatte. Überdies ging man in Kaderstärke in die Fabrik. Hatte dort hinzugehen, mitzuhelfen, für die schußfähige Munition zu sorgen, Gewehre, Hand- und Mörsergranaten zusammenzubauen. All dieses, damit beschäftigten sich im zweiten Weltkrieg zumeist die Frauen, mit den Alten. Solange die Greise noch nicht für fronttauglich befunden wurden. Während man bei dem Thema das Ansuchen derer vom "Bund deutscher Mädels" ablehnte. Das derjenigen, die sich dafür einsetzten, mit den Männern mitzukämpfen, die Reihen der Männer, in die große Lücken gerissen waren, wieder aufzufüllen. Selbst vor den "Führer", dem mit dem Breitbärtchen, traten da welche hin, "BdM"-Führungskader, brachten bei ihm vor, daß sie als Frau das Gewehr nehmen und kämpfen wollten. Nicht nur so bei allem zusehen.
Schwer zu sagen, wie die der Damenwelt das dem "Führer" in seinem Bunker vortrugen, damit ihr Wissen vor IHM teilten, daß der Krieg doch verloren wäre. Etwas, das nicht Teil der gängigen Propaganda war. Nur eins ist dabei klar: der eine, der mit dem ewigen Charlie Chaplin-"Tramp"-Nachäfferbärtchen in der Visage, der schmetterte das Ansinnen der Weiber ab. Die Frauen, die hatten zu bleiben, wo sie waren. Hinter der Front. Und bei den Kindern.
Vor allem auf das setzte er schlußendlich: auf das der Frauen. Daß die das, das in den Männerreihen verlustig ging, beizeiten wieder aufffüllten. Daß der männliche Soldat dann zurück wäre. Bei der richtigen Ansage überdies: zurückgekehrt in seinem Geist. Wenn dieser Krieg verlorenging, daß der nächste gewonnen würde. Und so fort.
Deswegen blieben die Frauen bei der Brutpflege, während die anderen ihre soldatische "Schuldigkeit" taten. Wie immer sie Glück damit hatten.
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