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Blog von TeddeMehr

1. Teil: 1.7

11. Dezember 2019 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #dreimal erwachen

Von überallher kam Schmerzimpuls angeflutet ...

 

Das war kein gutes Bild, zumindestens nicht für Jo, dem Revolvermann. Für Jo, dem Revolvermann, war das schlimm, dort am Platz bei den hölzernen Salooschwingflügeln herumzustehen. Schon ewig am selben Platz.

Beinahe, als hätte ER die Hosen voll. Als hätte Jo, der Revolvermann, die Hosen voll.

Es half ihm auch niemand, daß er hineinschreiten hätte müssen. Ins Innere des Saloons Empireless.

Kein Klavierspieler ließ drinnen sein Instrument klimpern. Keinen Menschen hörte Jo im Saloon das allergeringste reden.

Fast, als hielten sich drinnen gar keine Gäste auf. Was Jo, der Revolvermann, mit Sicherheit genauer überblicken hätte können, wäre ihm nicht das Kinn zur Brust herabgesunken. Wären die eigenen Stiefelspitzen nicht das Interessanteste auf der Welt gewesen.

 

Woher kam diese Finsternis links und rechts von ihm auf einmal? Das, was er aus den Augenwinkeln wahrnahm.

Als ob sich die Kulisse seitlich von ihm abzubauen begann.

Sorgen begann Jo, der Revolvermann, sich unvermittelt zu machen. Ein Glück, daß die gerippten gelbfarbenen Holzschwingflügel hinein in den Saloon deutlich zu betrachten waren. Dort blieb die Szene dieselbe.

In der Saloonwelt war Lichtschein, ohne daß Jo was Genaures erkennen konnte, außer so ein Stückchen rotgestrichener Stiege, die in die Obergeschosse hinaufführte.

Wollte er mehr von der Einrichtung des Saloons erfahren, würde er schon hineinmarschieren müssen.

 

Verfluchte Marga. Marga, die nicht dort bleiben hatte können, wo sie war.

Ausgerechnet mit einem Willy fing Marga sich was an. Mit einem Willy.

Der Gedanke an Marga, daß Marga gut eine Kugel zwischen die Augen vertragen hätte können, sorgte dafür, daß Jo, der Revolvermann, voranmachte. Die linke Schulter vorgereckt stieß er den linken der gelblichhölzernen Schwingflügel nach innenwärts auf.

Eine Saloonräumlichkeit überblickte Jo, der Revolermann. Die verschiedensten Figuren hockten reglos auf Stühlen an Rundtischen herum.

Allesamt unternahmen nichts, als starr vor sich hinzuglotzen. Die einzige Unterhaltung der vielen schien die Glotzerei zu sein.

Daß jemand Fremdes in den Saloon Empireless hereingekommen war, kümmerte keinen, daß er nach Jo, dem Revolvermann, hinschauen hätte müssen, den Hals nach Jo, dem Revolvermann, verdrehen. 

Der eine oder andere der Rumsitzenden hatte einen grauen Stetson am Kopf. Daß Jo, dem Revolvermann, sein eigener Hut einfiel. Daß er den auch aufbehielt. Geradezu vergessen hatte Jo den Stetson am Kopf, als wäre der längst an ihm festgewachsen.

Im Spiegelglas hinter dem Tresen bewunderte Jo, der Revolvermann, sich und sein schweißfleckiges Hutteil. Die graue Jacke, die graue Hose, die Revolver links und rechts im Holster seines braunfarbenen Ledergurts.

Sich die Anwesenden selbst im Spiegel des Tresens genauer anzusehen, das vermied Jo erst mal. Die Schritte der eigenen Sporen an den Stiefeln erlauschte Jo, als er sich der Serviertheke näherte. Nichts als eine gefährliche Stille herrschte hier.

 

Einen langen, glänzend dunkelbraun angestrichenen Schanktisch überblickte Jo, der Revolvermann. Dahinter blickte Jo einen livrierten Kellner mit vorgebundener weißer Schürze.

Eine seltsame Gestalt. Ein wahrhaftiger Koloß von einem Kerl.

Obwohl Jo's Blick sich dem Kerl festsaugte, war da ein Effekt, als ob er den anderen nicht richtig sehen könnte. Als sähe der eine eigentlich ganz anders aus. Als hätte Jo, der Revolvermann, dafür, den einen wirklich zu sehen, eine veränderte Perspektive gebraucht.

In der Sekunde, als Jo sich mit der Hüfte an die Längstheke anlehnte, rutschte sofort ein Whiskeyglas mit einer weißlichen Flüssigkeit zu Jo hin. Genau Höhe Jo stoppte das kleine Glas.

Wollte der nahezu gesichtslose Dreckskerl Jo, den Revolvermann, veräppeln?

Aufgebracht starrte Jo nach dem Riesenkerl, der sich vom Augenaufschlag Jo's nicht aus der Ruhe bringen ließ. Weiter, daß er das eine Bierglas mit einem Tuch trockenwischte.

 

Jo's Hand fand sich nahe seines rechten Schießeisens.

Gute Lust hätte Jo gehabt, dem, dem jede Art von Gesicht, Nase, Mund, Ohren, Augen, Augenbraue, Stirn, fehlte, den komischen Nadelkopf Stück für Stück vom Hals zu schießen.

Nur, was hatte Jo davon, seine Kugeln an einen Unbekannten zu verschwenden, wenn er wegen anderen in den Saloon Empireless hereingekommen war? Für welche, für die jede seiner Bleikugeln wirklich gut war.

Der andere, der einfach nichts weiter anstellen wollte, als mit dem weißfarbenen Schürzentuch das nächste Glas zu polieren.

Lediglich der Umriß einer hautüberzogenen Nadelform präsentierte sich bei dem Saloonbediensteten. Eben wie eine Nähnadel mit kugelrundem Holzkopf oben. Hier leglich das Hölzerne wie mit Haut bespannt.

Verstörend, das Aussehen des Livrierten. Nichtsdestotrotz regte Jo der Anblick kaum sonderlich auf. Obwohl die Frage war: Wie atmete diese verdammte Kreatur eigentlich, wenn sie weder Mund- noch Nasenlöcher hatte?

Nicht mal Ohrläppchen bildeten sich bei dem hinter dem Ausschank ab. Nur, die Kellnerschürze deutete bei der Gestalt an, daß sie Jo zugewandt war. Irgendwelche Sinne mußten zusätzlich im Spiel sein, wenn derjenige nach einem neuen Glas zum Trockenwischen fassen konnte.

 

Das mit weißlicher Flüssigkeit gefüllte Whiskey-Glas, Jo, der Revolvermann, ließ es weiter stehen. Allerdings mußte er sich bezähmen, nicht einen Revolver aus dem Holster zu reißen, dem eine Prüfung zu unterziehen, wie der im Livree das überstand, wenn Bleikugeln in ihm einschlugen. Für die untote Gästeschar im Empireless galt das gleiche.

Allerdings, eine einzige Kugel zu verschwenden ...

Der obskure Saloonbedienstete und die vom Rest, die waren an der Örtlichkeit nicht das Entscheidende. Nicht, solange sie nichts wirklich Feindseliges unternahmen.

Bei denjenigen an den Rundtischen fehlte ebenso die vertraute Weise eines menschlichen Gesichts. Daß sie wahrscheinlich im Westen nicht viele Orte hatten, wo sie hinkonnten, als Pain City.

An diesen reglos rumhockenden Gästen im Saloon Empireless wirkte ebenso wenig menschlich, wie an dem hinter dem Schanktisch. Ganz davon abgesehen, daß da die Körperform an einen Menschen erinnerte.

 

Der, den Jo, der Revolvermann, suchte, der war nicht anwesend. Wiewohl er gut  zu den Gesichtslosen an den Rundtischen dazugepaßt hätte, mit einem Gesicht oder ohne. Genau wie Marga, bei der es auch nicht mehr darauf ankam, ob sie noch so schön von Gestalt war wie früher. Egal, was Jo, dem Revolvermann, vormals an Marga, der Barfrau, gefiel.

Inmitten dieser haufenweise Gesichtslosigkeit hätte Marga sich nicht zu verstecken gehabt.

Weil sich nichts abspielen wollte, nichts als übliche Stille um ihn herum los war, widmete Jo, der Revolvermann, sich trotzig dem kreisrunden schwarzen Eisenlüster, der tief von der hölzernen Saloondecke herunterhing.

Dreizehn hohe dicke Wachskerzen brannten an dem Ding, zählte Jo. Erfüllten die Saloonwelt des Empireless mit hellem Licht. Ziemlich helles Licht, dafür, daß das nichts als wächserne Kerzen waren.

Dreizehn hochragende Kerzen aus Wachs. Weißfarben, rot.

Die Dreizehn, im Saloon Empireless war das anscheinend keine Unglückszahl.

Dreizehn Wachskerzen, und Jo, der Revolvermann, war im Saloon Empireless eingetroffen. Jo, der Revolvermann, der, wenn er wo war, schnell ziehen und auch gut treffen konnte. Auf anderweitige Neuigkeiten sollte sich im Saloon Empireless keiner verlassen. Auf das, was er glaubte, wo gehört zu haben. Auf einem Markt in einer kleinen Stadt. Oder sonstwo. Wo er vorüberkam, und was von Jo, dem Revolvermann, hörte.

 

Über dem Lüster mit seinen dicken, stämmigen, hochragenden weißen und roten Kerzen wimmelte es durcheinander.

Ein Schwarm funkelnder Glühwürmchen war. Allerdings viel zu große Glühwürmchen. Glühwürmchen dieser Größe, Jo erinnerte sich nicht, solche schon mal wo gesehen zu haben.

Eigentlich wirkten die Dinge nicht wie fliegende Insekten. Sahen vielmehr metallisch aus. Als würde dort droben was durcheinanderschwirren, das eine Schmiedearbeit war.

Die haufenweise fliegenden kleinen Dinger, von denen das größte Daumengröße haben konnte, bildeten Formationen. Einen runden Ball. Zu einer Wolkenform brachte man es. Dann wirkte das unterhalb der Holzdecke des Saloons Empireless, als ereigne sich dort ein Jahrmarktfeuerwerk. Ein Feuerwerk am umfinsterten Holzbalkenhimmel. Während dahinter haufenweise Sterne funkelten, verging der nächste farbenprächtige Funkenregen. Bloß, die Glühwürmchen selber, die explodierten nicht, sie kreiselte wild weiter durcheinander.

 

Hatte Jo so noch nicht gesehen. Nichts Vergleichbares.

Überhaupt nicht wußte Jo, was er damit anfangen sollte. Warum man ihn derart mit solchen Schauspielen beglückte.

Spiralenformen, die sich präsentierten; Feuerräder. Und immer wieder neue Funken, die stieben.

Was war das nur, das jenseits des Kerzen tragenden Eisenlüsters unter der Balkendecke im Empireless, dem Pain City-Stadtsaloon?

So was war doch nicht möglich. Alles war ein Ding der Unmöglichkeit.

 

 

 

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